Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottbold Weil von Dubnows „Weltgeschichte" gesagt hat,- daß sie vielleicht die letzte jüdische Geschichte größeren Stiles sei, die von einem .Manne als einheitliches Werk geschrieben worden ist, scheint sich zu erfüllen. Es verlautet, daß Auerbachs Werk, dessen 2. Band (bis Esra und Kebemia) bereits für den Herbst 1933 angekündigt ist, eine neue jüdische Gesamtgeschichte einleitet, in der jede Epoche von ihrem Spezialisten geschrieben wird — ein Weg, der seine Sonnenblicke und seine Schattenseiten hat. * Das K.J.V. darf stolz darauf sein, daß namentlich in der Nachkriegszeit eine Reihe von Bundesbrüdern mit anerkannten Werken der jüdischen Wissenschaft und Literatur in deutscher Sprache hervorgetreten sind; ich denke u. a. an Zlocisti, Heinrich Loewe, Emil Cohn, Holdheim, Leo Strauß, Kastein, Prinz und an das „Jüdische Lexikon", das Herlitz und ich geschaffen und an dem viele Bundesbrüder mitgearbeitet haben. Kräftig unterstreiche ich noch Her- Hz' Anregung in der Jüd. Rundschau, eine Volksausgabe des Buches von Auerbach — ganz ohne den wissenschaftlichen Apparat, der ohnehin n]cht aufdringlich ist — herauszubringen. Dr. Auerbach, machen oder veranlassen Sie das schnellstmöglich! Bruno Kirschner. Adolf Altmann, Öas früheste Vorkommen (kr Juden in Deutschland. Juden im römischen Trier, (Trier!932, Paulinus-Druckerei, RM 1,70.) Unter diesem Titel veröffentlicht er Trierer Oberrabbiner eine Unterteilung, <lie durch die Verwertung archäologischer Quellen die Forschung auf diesem Gebiete sehrfördert. Bisher galt als das älteste, unzweifelhaft echte Zeugnis für die Existenz von Juden in Deutschland - das Gesetz Kaiser Konstantins vom Jahre 321 n. Chr., das die Juden verpflichtete, sich für das städtische Ehrenamt der Dekurionats-Verwaltung in Köln zur Verfügung zu stellen. Altmann macht wahrscheinlich, daß dieses Gesetz sich nicht nur auf Köln, sondern ganz Gallien bezieht; daraus daß Trier damals die administrative und militärische Zentrale Galliens war, wie auch daraus, daß im Anfang des 4. Jahrhs. des Christentums doriselbst längst Eingang gefunden hatte, darf auf das Bestehen einer jüdischen Siedlung mit ziemlicher Sicherheit geschlossen werden. Dazu tritt nun als neues Argument eine bei Ausgrabungen ca. 50 m von der Judengasse weit gefundene Tonlampe mit dem Bilde eines siebennarmigen, dreifüßigen Leuchters, den die näheren Umstände unzweifelhaft als jüdisch erweisen; da bekannt ist, daß derartige Lampen häufig als Grabbeigaben verwendet wurden, folgert A., daß man, noch dazu bei Beachtung der näheren topographischen Verhältnisse des Fundortes, einen jüdischen Friedhof annehmen könne. W.enn auch diese Folgerung in Anbetracht des zahlenmäßig sehr kleinen Materials (eine einzige Lampe als Beleg für einen Friedhof!) wohl mit Vorsicht aufgenommen werden muß, so beweisen doch die Terrakotten, die A. veröffentlicht, die Juden-Karikaturen darstellen und deren älteste nach dem Urteil von Archaeologen zu 275 gesetzt werden muß, ganz sicher, daß im 3. Jahrh der christlichen Zeitrechnung Juden in größerer Zahl in Trier gewesen sind, die möglicherweise mit Keramik, die aus Italien importiert wurde, handelten und so den 261