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Der jüdische Student · 1932-10-01 · Heft 9 (Oktober 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 9 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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.Mittelpunkt selbstbewußter begeisterter Zionisten zu schaffen. Jeder einzelne uiuß dazu beitragen und wird es auch tun. Bei jedem einzelnen von -uns, ob 3lt oder jung, liegt die ganze Verantwortung! Nachstehend gebe ich Euch nun den Bericht über eine unserer Werbefahrten aufs Land. Die Tatsachen sind wahrheitsgemäß wiedergegeben, nur die Namen sind Decknamen. Ich hoffe, es wird Euch Spaß machen und reizen, es uns gleichzutun: Nach Langenselbold! Karlo und ich schwitzen trotz des Regens in unserer Galaausrüstung auf der Landstraße Hanau—Langenselbold. 12 km müssen wir in weniger als zwei Stunden hinter uns bringen. Ernst hat schlecht im Fahrplan nachgesehen und der Omnibus war schon weg, als die zwei Vertreter der „jüdischen Studentengruppe Saroni" mit ihrem Köfferchen voll Büchsen und Werbematerial in Hanau eintrafen. Da uns kein Auto mitnimmt, haben wir gemütlich Zeit, unseren Schlachtplan zu entwerfen. Auf unseren getarnten Brief an den „Vorstand der israel. Kultusgemeinde Langenselbold" bekamen wir eine absagende Antwort. Aller schöne Schmuß von dem Kampf gegen den Antisemitismus und der notwendigen Aussprache zwischen allen Berufen und zwischen Stadt und Land nutzten nichts. Oft zieht der Köder. Oft antworten die Leute gar nicht. Es ist immer schon -ein typisches Zeichen, wie die Antwort ausfällt, meint Karlo. Was mag man daraus schließen, daß wir nicht kommen sollen, weil Sonntag der größte Teil der Leute nicht zu Hause sei und die Leute überhaupt uninteressiert seien, wie die Antwort des Herrn Vorsitzenden so schön lautete. Einig sind wir uns, daß hier der C.V. einen sehr großen Einfluß haben muß, denn sonst hätte man nicht mit den Argumenten geantwortet. Karlo meint, es drehe sich sicher um eine Agudagemeinde, mir scheint es, als wenn mir irgendjemand erzählt hätte, in den Dörfern bei Hanau gäbe es viele Linksstehende. Jeder hält seines für richtig. Jeder bereitet sich für sich auf seine theoretische Gemeinde vor. Unsere Antwort auf die Absage war ein eisiges Schweigen. Selbstverständlich kommen wir trotzdem zur festgesetzten Zeit, als wenn wir von nichts etwas wüßten. Wie wollen wir es nun heute machen, sollen beide abwechselnd reden, soll nur einer das Wort führen und der andere durch Zurufe die Sache lebendig gestalten, oder wollen wir mit der Rede anfangen und uns unmerklich in eine Unterhaltung verwickeln. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Wir einigen uns, es zu machen wie bisher, erst einmal die Gemeinde zu sondieren und je nach der Zusammensetzung unserer Hörerschaft es zu gestalten. Man bekommt wirklich ein Fingerspitzengefühl dafür. In Frankfurt haben wir nur erfahren können, daß die Gemeinde verhältnismäßig groß sei und auf dem Konvent haben wir den Ort ^s ersten in der Karte gewählt, weil er nach der Karte ziemlich zentral ha Clnern von uns bisher noch nicht bearbeiteten Gebiet liegt. Endlich sind wir!n dem Nest. Beim ersten Laden mit dem Namen „Moses Hamburger, Konfek- ^on-" ziehen wir unsere Erkundigungen ein. 55 Familien; wohnen alle nicht We'U auseinander; der 2. Vorsitzende ist der Mann, mit dem man sprechen •nuß; Ort haben sie nur die Synagoge (praktisch in allen Fällen die Synagoge}; gesagt ist noch nichts; selbstverständlich sind fast alle Leute zufällig heute 1X1 Hause; sie sind alle sehr fromm. Inzwischen haben sich noch einige mehr Vcrsammelt. Die Nachricht verbreitet sich schnell. Wir machen faule Witze 1:°d tun höchst vornehm. Mit Geleit ziehen wir zu unserem 2. Vorstand. (Der 243

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