Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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vertreten, die links von den Nationalsozialisten stehen. Aber augh diese übten vorsichtige Zurückhaltung bei dieser seltenen Gelegenheit zu offener Aussprache. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen, die Vertreter der Sozialisten aus den verschiedenen Ländern, sie alle waren einig in der scharfen Frontstellung gegen jene sogenannten Studenten, denen es gelungen ist, die Universität aus einer Stätte der Wissenschaft zu einem Tumultplatz menschlicher Hyänen zu machen. Wir jüdischen Delegierten sahen unsere Aufgabe als eine doppelte an: Einmal wollten wir vor diesem internationalen Forum die Wahrheit sagen über das, was heute an Polens und an Deutschlands hohen Schulen der Brauch ist. Wir betonten, daß kein Wort damit gegen die Regierung dieser Länder gesagt wird, die sich immer bemüht haben, was an ihnen liegt, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Wir traten aber anderseits jener Darstellung der deutschen Delegation entgegen, als seien die Unruhen z. B. an der Berliner Universität die Ergebnisse eines Kampfes zwischen den verschiedenen politischen Parteien, eines Kampfes der Rechten gegen die Republikaner. Gewiß auch dieser Kampf spielt eine Rolle. Deshalb aber ist es noch nicht erlaubt, die Sachlage so zu schildern, als könne von antisemitischen Krawallen keine Rede sein. Wir hielten der deutschen Delegation eine ganze Liste vor, die Forderung an den Rektor, die Juden überhaupt nicht oder nur durch eine kleine Pforte das Universitätsgebäude betreten zu lassen, die Agitation für ein Rassenstudentenrecht nach österreichischer Manier, die numerus clausus- Beschlüsse der Königsberger Tagung der deutschen Studentenschaft. Wir erhielten darauf keine Antwort und wir erhielten sie auch nicht, als wir unter lebhafter Zustimmung der Konferenz an die deutschen Delegierten die Frage richteten, ob sie einen ernsthaften Menschen davon zu überzeugen versuchen wollten, daß „Juda verrecke!" ein anti-republikanischer Kampfruf sei. Die Konferenz beschloß die in Nyon eingeleitete Arbeit zwar fortzusetzen, weil man sich — und wir Juden stimmten dem zu — doch auch hiervon eine vielleicht erst in langer Zeit heranreifende erzieherische Wirkung versprach. Auf der anderen Seite aber wird die Executive der I.S.S. dazu übergehen, in den einzelnen Ländern selbst diejenigen Gruppen und Einzelpersonen unter den Studenten sowohl wie unter den Professoren zu sammeln, soweit sie die Exzesse ablehnen und mit ihrer Hilfe eine geistige Abwehr gegen die Unruhestifter zu organisieren. Es "sollen Aussprachen und Zusammenkünfte in allen denjenigen Städten stattfinden, in denen sich das jüdische Problem am meisten zugespitzt hat, sie werden aber unter der Leitung der I.S.S. stattfinden, um zu verhindern, daß sie im Halbdunkel irgend eines verborgenen Beratung' zhnmers, das dem Licht der internationalen Kontrolle unerreichbar bleibt, verlöschen. Auch hier soll man sich vor Ueberschätzung des Erreichten hüten- Die Tatsache, daß die von der jüdischen Delegation vorgeschlagene Resolution zur Grundlage der weiteren Arbeit gemacht wird berechtigt noch nicht ztf der Annahme, daß die Studentenschaften in allen Ländern von der bisherig« Praxis, mit „schlagenden" Argumenten zu arbeiten, absehen werden. Was aber bei dieser Gelegenheit geschehen konnte, um die wohlgesinnten Elemente in ihrer Abwehrbereitschaft zu stärken, bleibt auf der anderen Seite ein auch nicht zu unterschätzender Gewinn. Wenn wir so auf der einen Seite alles taten, um den Hochschui-Antisem1' tismus in die ihm gebührende Beleuchtung zu rücken, so haben wir auf def 224