Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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eine beträchtliche Rolle spielt, wenn sie spezifische Aufgaben hat and wenn die noch am Ruder befindliche Führerschicht altersmäßig eine öder zwei Generationen von ihr entfernt ist. Wir können diesen Vorgang bei den verschiedensten Parteien beobachten, wobei die zionistische Situation am meisten Ähnlichkeit mit der bei den Parteien der zweiten Internationalen bestehenden, also auch z. B. der deutschen Sozialdemokratie, aufweist. Wenn man beachtet, daß auch Stalin und Mussolini sclion Fünfziger sind, daß Hitler und seine Paladine sich den Vierzig nähem; welB man, daß auch dort sich das Spiel der Kräfte bald zu entwickeln beginnt, daS auch bei diesen „jungen" Parteien die Jugend bald zur Macht vorstößt oder sich vorsichtig separiert Die zionistische Organisation ist ohne Zweifel dadurch in einer besonderen Lage, daß sie ein Sujet mixte aus Partei und Staatsorganisation ist. Als Herzl sie 1897 schuf und damit seine genialste und wahrhaft staatsmännische Tat vollbrachte, war er sich im klaren darüber, daß sie sowohl propagandistische wie konstruktive Aufgaben zu verwirklichen hatte und daher Tribüne und Maschine zugleich sein mußte. Der Kongreß — Volksversammlung und Parlament — die Wähler, Mitglieder mit Bürgerrechten und -pflichten, die von einem ständigen Parlamentsausschuß, dem Aktionskomitee, unterstützte Exekutive, die Führerrolle des Präsidenten der Organisation, die verfassungsmäßige Teilung der Gewalten, — dies alles sind Schöpfungen*, die der Partei einen staatsähnlichen Charakter geben. Nannte man dem Zionismus früher den „Staatsgedanken ohne Volk und Heimatland", so war die zionistische Organisation ein „transportabler Staat", ein Embryo, aus dem sich die erstrebte Staatgründung entwickeln sollte. In der völkerrechtlicher! Anerkennung der zionistischen Organisation als Jewish Agcncy in Artikel 4 des Palästina-Mandates und den daraus zu ziehenden Völker- und staatsrechtlichen Folg ungen haben diese Tendenzen dann ihren sichtbaren politisch-juridischen Niederschlag gefunden. Würde diese Gründung von 1900 eine organische Entwicklung durchgemacht haben, d. h. wäre es gelungen, Generation auf Generation in die Organisation einzufügen, würde eine Gefahr der Ueberalterung der Parteiorgane niemals entstehen. Denn in Kongreß und A-C, bis herauf zur Exekutive würden sich die Generationen ablösen, und eine Diktatur der Greise, die Umwandlung des A.C. in eine aegrusia, würde unmöglich sein. Daß diese normale Entwicklung nicht eingetreten ist, erkennen wir an der Zusammensetzung der Organe. Würde Herzl heute wieder aufstehen, er würde zu seinem Schrecken, wenn auch etwas gealtert, überall diejenigen wieder erkennen, die seine Weggenossen in den Gründungsjahren waren. Freilich, daß der normale Erneuerungsprozeß ausgeblieben ist, hat auch natürliche und überall im Leben der Parteien und Staatsverwaltungen spürbare Ursachen. Def Ausfall der durch den Weltkrieg dezimierten mittleren Generation macht sich bei uns ebenso bemerkbar wie überall. Aber darüber hinaus ist eine Stagnation in der Struktur der Welt- und Landesorganisation festzustellen, die anormal ist, und eine Analogie nur in der Entwicklungsstagnation bei der deutsche*1 Sozialdemokratie findet. Es istalso kein Zweifel: die große zionistische Jugend arbeitet neben und außerhalb der Organisation. Wir finden sie im Hechaltiz, in den Jugend* bünden, allenfalls in der Arbeit der radikalen zionistischen Gruppen. Ab*-,f der Welt- und der Landesorganisation bleibt sie mit wenigen Ausnahmen f«rn' 198