Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 5 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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von Abiturientinnen und suchen sie einzeln auf. Auf diese Weise sondern sich die in Frage Kommenden' von selbst aus, und es -wird möglich, die vor allen andern wichtigen Kreise intensiv zu erfassen. Die Eingeladenen beteiligen sich 4 Wochen an unseren Veranstaltungen und reichen dann, wenn sie bei uns bleiben wollen, ein Gesuch um Aufnahne ein. In der nächsten Assefa (entspricht dem Konvent des KJVj werden die Meldungen besprochen, und die Gruppenführerin teilt den Mädchen das Ergebnis mit. Die Frage, was nun mit den Gewonnenen geschieht, ist zugleich die Frage nach unserm konkreten Arbeitsprogramm, das ich kurz skizzieren will. Ich möchte unterscheiden zwischen eigentlicher Erziehungsarbeit (Innenarbeit und Aufbau der Organisation) und Außenarbeit. Fast in jedem Semester kommen Nichtzionistinnen in die Gruppen oder solche, die Zionismus „lernen" wollen. Für sie gibt es Kurse zur Einführung in zionistischer Ideologie und Geschichte. Sie werden von einer älteren Chawera geleitet. Daran schließen sich Kurse über allgemein jüdische, geschichtliche, zionistische Probleme, Jede Chawera ist verpflichtet, hebräisch zu lernen. Diese wissenmäßige Ausbildung unserer Chawerot ist die Voraussetzung für jede zionistische Leistung, solange bei uns vorwiegend westlich assimilierten die Entscheidung für den Zionismus nur selten aus direktem jüdischen Erlebnis kommt. Neben dieser sachlichen Ausbildung gehen unsere Bemühungen dahin* die Gruppe als solche zusammenzufassen und ein Gruppengefühl zu schaffen* das uns die Arbeit nach innen erleichtert und unseren Kreis nach außen attraktiver getaltet.. Auch die sachliche Arbeit hängt davon ab, wieviel wir unsere Chawerot menschlich beeinflußen, d. h. erziehen können. Dabei spielt das Mittel der Disziplin eine große Rolle — Disziplin im Sinne von Selbstdisziplin, d. h. Treue der Sache gegenüber im Kleinen wie im Großen. Das Bewußtsein unserer erzieherischen Pflichten bringt uns dazu, über die Erziehung, über die Selbstdisziplin der Chawerot zu wachen und darauf einzuwirken, daß sie sich dem Zionismus, d. h. in unserem Falle der ZiSt., unterordnen, selbst wenn es nötig wird, persönliche Wünsche aufzugeben. Diesem Streben nach menschlicher Beeinflussung dienen auch die Teile unseres Programms, die geselliger Natur sind: Wanderungen, Einladungen, Singestunden, kleinere Kreise innerhalb der Gruppen. Die praktische zionistische Arbeit (Außenarbeit) ist ein wichtiger Punkt unseres Programms. Sie ist nicht nur selbstverständlich und der eigentliche Sinn unseres Zusammenschlusses, sie ist auch ein Prüfstein fürden Erfolg unserer Erziehungsarbeit. Denn hier ist der Punkt, an dem die zionistische Bewährung beginnt. Ueber die allgemeinsten zionistischen Aufgaben braucht hier nichts gesagt zu werden. Wo wir können und soweit wir können, müssen wir dem KKL. und dem KH. zur Verfügung stehen. Darüber hinaus hat die ZiSt. besondere Aufgaben zu erfüllen, z. B. Gemeinde- und soziale Arbeit, eine Aufgabe, die auch zionistisch gesehen, wichtig ist. Für Frauenarbeit für Palästina gibt es schon mehrere Vorschläge; Wizo, Kulturverband der Frauen für Palästina, Frauenarbeitsgemeinschaft 142