Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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durchzuführen. Warum aber hat ein so einfaches Rezept keine größere Wirkung? Es kann doch nicht so einwandfrei sein, wenn man gar nicht riskiert, es dem Ansturm anderer Meinungen auszusetzen. Schon aus päda*- gogischen Gründen müßten gerade die, die an ihre Sache glauben, hoffen* daß es ihnen gelingt, ihre Sache auch im dauernden Kampf gegen andere zu bewahren. Es wird gut sein, wenn wir morgen zu einer richtigen zionistischen Auseinandersetzung kommen, in der sich alle stellen. Die Frage Kadimah ist sehr einfach und eindeutig: Will man K.J.Ver sein oder nicht? Will man sich so einfügen wie alle anderen. Das ist eine sehr einfache und klare Angelegenheit, über die man jeden Augenblick entscheiden kann. Paul Hirsch: Ich bestreite, daß in diesem Jahr dieses Präsidium in irgend einer Form, ein parteiisches gewesen ist. Wir haben gut zusammengearbeitet. Auch das, was Schloß über die Kreditgenossenschaft und das Palästina-Projekt gesagt hat, ist nicht richtig, denn wir legen ja diesem Kartelltag beide Projekte, die in den Vorarbeiten völlig abgeschlossen sind, zur Entscheidung vor. Wir haben diese Entscheidung nicht selbst getroffen, weil wir dem Kartelltag Gelegenheit geben wollten, darüber Beschlüsse des gesamten Kartells herbeizuführen. Auf die Unruhen an der Jerusalemer Universität muß ich mit einigen Worten zn sprechen kommen, weil ich glaube, daß hier das Wesentliche unserer ganzen Arbeit liegt. Es besteht ein Unterschied zwischen dem jüdischen Nationalismus und dem Nationalismus der anderen. Und man mag sagen, daß die Studenten, die die Krawalle an der Jerusalemer Universität gemacht haben, einen berechtigten Anlaß zur Empörung hatten, man kann hier vieles, vielleicht alles verstehen, aber *nan darf trotzdem nichts verzeihen. Das ist nicht der Nationalismus eines Herzl oder Trumpeldor oder Lichtheim. Ich erinnere Euch nur an Herzls Menorah-Vergleich. Erst wenn alle Flammen brennen, ist das gute Werk getan. Hier, glaube ich, liegt die entscheidende, tiefe Differenz. Zur Frage der Zionistischen Weltorganisation, des Schekels. Diese Zionistische Weltorganisation, die wir, als wir Zionisten wurden, als das Große empfanden, diese Einheit, dieser jüdische Staat unterwegs bedeutete und bedeutet uns heute noch etwas Heiliges, diese kompakte Masse der Juden, die nach Palästina gehen, die Gesetze hat, denen wir uns unterwerfen müssen, auch wenn sie uns einmal nicht gefallen. Es gibt noch eine höhere Verantwortung als die gegen sich selbst, das ist die Verantwortung gegen die Gemeinschaft. Ich kann mir vorstellen, daß es einmal einen Konflikt gibt; aber der hat das größere Verantwortungsgefühl, der dann diesen Konflikt bewußt in dem Sinne entscheidet, daß er sich entscheidet für das Volk. Wenn wir heute diese Sache anders entscheiden, könnte es sein, daß wir damit den ersten Axthieb gegen die Zionistische Organisation führen, daß wir von unserem Kartelltag aus die Sache ins Rollen bringen. Ich hoffe, daß die Entscheidung positiv sein wird, daß die Bbr. von der Kadimah mit uns zu der Erkenntnis kommen werden, daß um des Zionismus willen, dem wir alle dienen, wir diese Zionistische Organisation in ihrer Größe und Schönheit auch erhalten wollen. Ich bestreite, daß das K.J.V., wie behauptet wurde dem Ansturm von außen erlegen ist. Wir haben mit den Fragen der ' 'ins auseinandergesetzt, aber nicht mit Kompromißlertum, und nur 85