Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ sein, vollste Neutralität zu bewahren und auszuüben. Vor allem muß man verlangen, daß es keine Aktionen unternimmt, die das Vertrauen schmälern. Der Präside erwähnte heute nüchtern die Tatsache, daß wieder Gegensätzlichkeiten zu beobachten seien. Man hat plötzlich bemerkt, daß sich in der Kadimah ein Eigenleben unter Abschließung gegen das. Kafrtell, wie es in dem Bericht heißt, formt. Wir machen das Präsidium für diese Kollision verantwortlich. Es hat es unterlassen, mit der nötigen Energie den Gerüchten entgegenzutreten, die besonders im Reiche über das Verbindungsleben der Kadimah zirkulieren. An der Oberflächlichkeit der Meinungsbildung über uns hat vor allem das Präsidium schuld. Die tollsten und zugleich unglaublichsten, in höchstem Maße grotesken Gerüchte sind über uns verbreitet. Heute verbieten Leibburschen ihren Leibfüchsen den Eintritt in die Kadimah, weil sie fürchten, daß ihre Anvertrauten in Bier ersaufen könnten. Diese Vorkomm- - nisse haben eine tiefere Ursache. Nicht Antipathie ist die causa. Als * zionistisches Kartell unterliegen wir natürlicherweise den Strömungen des Zionismus, Jeder in der zionistischen Bewegung Aktive schließt sich notwendigerweise der zionistisch-politischen Organisation an, die seine Interessen vertritt. Ein Kartell zionistischer Verbindungen, das als Einheitsfront des Zionismus gedacht ist, muß strengste Neutralität bewahren, soll es weiter eine Einheit bilden. Wenn wir den Verlauf der letzten 3 Jahre verfolgen, so müssen wir leider feststellen, daß fliese Notwendigkeit nicht erfüllt worden ist. Es ist ein unbestreitbares Verdienst des Präsidiums Lichtheim-Tuchler gewesen, das B.Z.K, und das K.J.V. zu vereinen. Der Eintritt des B.Z.K., der sich durch die Garantie des bisherigen Eigenlebens vollzog, machte sich für die Entwicklung des Kartells günstig bemerkbar, solange ein Präsidium Lichtheim präsidierte, das in jeder Beziehung parteipolitisch neutral war. Dieses Regime mißfiel Kartellangehörigen, die politische Gegner Lichtheims waren. Ein Präsidium, das frei von parteipolitischen Einflüssen war und vorbildlichste Neutralität bewahrte, wurde von einem anderen abgelöst. Noch war der Redakteur des J.St. geblieben, von dem man wußte, daß er politisch anders dachte, als es den herrschenden deutschen zionistischen. Kreisen genehm war. In Hamburg wurde eine J.St.-Krise festgestellt. Bbr. Schloß verzichtete auf sein Amt. Die letzte für die zionistische Beeinflussung der Bbr. geeignete Position konnte jetzt von einem politisch nicht jener Parteirichtung angehörenden Redakteur besetzt werden. Die Disharmonie, die zwischen der Kadimah Berlin und den übrigen Verbindungen besteht, beruht nicht etwa auf der verschiedenen Auffassung über Verbindungsleben. Was uns tatsächlich unterscheidet, ist die entgegengesetzte Anschauung über das Wesen des Zionismus. Auf der einen Seite steht der Staatszionismus Herzls, auf der anderen ein Zionismus, der gummiartig ausgelegt wird. Der Unterschied zwischen uns liegt in der offenen und klarem Zielsetzung. Man soll uns wegen dieser Tendenz nicht eine Festlegung auf parteipolitische Programme zuschieben. Es ist nicht verwunderlich, wenn Staatszionisten sich Organisationen anschließen, die diese Gedanken vertreten. Die Verbindung als Gesamtvertretung weist eine parteipolitische Festlegung von sich. Bis zur Aera Lichtheim war die Blumenfeldgruppe der unstreitbare Beherrscher des Kartells. Diesen Einflüssen haben wir uns entzogen. 76