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Der jüdische Student · 1932-03-01 · Heft 3 (März 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Kartelltag- L Um es gleich vorwegzunehmen; Nicht noch einmal Kartelltag in Berlin! Beste Organisation und bundesbrüderlichste Bemühung waren nicht imstande und konnten auch nicht imstande sein, ein Zerfließen und Auseinanderlaufen zu ver- ■ hindern. Das für einen Tag des Kartells so Wichtige: die Gemeinsamkeit von Arbeit und Freizeit, die Geschlossenheit der Erscheinung, der gefühlsmäßige Einheitswert des Beisammenseins — all das fehlte. Den jungen Bundesbrüdern konnte dieser Tag nicht die Stärke der Bundesbrüderlichkeit, nicht das Gefühl des Eingegliedertseins"* in einen Arbeits- und Freundeskreis geben. Sie, und auch die Aelteren der Provinz, empfanden eine Kälte und Uneinheitlichkeit an der nicht die Berliner Bundesbrüder schuld waren, sondern allein die Eigenart dieser aufregenden Stadt Berlin. IL Von dem Freitag Abend — Neschef horte man nur Gutes. Es hat sich im Kartell bereits eine Eigenart dieser Abende herausgebildet, die mehr enthält als nur auswendig gelernte hebräische Lieder, die schon eine gewisse geistige Haltung erzwingt, und so unserer Gemeinschaft ein weiterer, neuer Halt ist. Und so können wir wohl herzhaft über den freundlichen Revue-Witz des nichtverstandenen hebräischen Scherzes lachen, da wir für uns beruhigend wissen, daß jedes gehörte und nicht verstandene hebräische Wort uns nicht zu schamhaftem Verbergen, sondern zu neuem Lernen treibt. m. Der Vor- und Nachmittag des Sonnabend sah die Aktiven-Tagung. (Wobei wir vermerken, daß — grotesk genug — ein Großteil der Berliner Bundesbrüder nicht erschienen war.) Sie wurde eingeleitet durch ein erfreulicherweise ganz auf das Grundsätzliche jeder Erziehung zurückgehendes Referat von Heini Wydra, das in der Diskussion zu dem Gegensatz: Erziehung zum Menschen oder Erziehung zur Tat? führte. Hierzu seien einige Worte gesagt: Die aufgezeigte Antithese kann überhaupt nur aufgestellt werden in einer Zeit wie der heutigen, die das Individuum nur als Führer anerkennt, die Masse, die Gemeinschaft nur als ausführende, als Tatmasse wilL Auch bei uns nun ist man sich jetzt klar, daß geistiges Geplänkel ohne eine dahinter stehende Faust recht müßig ist. Und so hörte man auch gegen Wydra verschiedentlich den „Ruf nach Tachlis", aus dem Gefühl heraus, daß Ideologien kein Land aufbauen können. Das wird nun niemand leugnen, aufs schärfste wird man sich aber überhaupt gegen eine derartige Gegenüberstellung wehren. Die Stellungnahme für einen cum grano salis „neuen Humanismus" ist in Anbetracht der ständig wachsenden geistigen Haltlosigkeit nicht nur der jüdischen Jugend deshalb so sehr zu begrüßen, weil sie starke Kräfte bei uns für besseres als Auseinandersetzungen mit geistigen und politischen, uns feindlichen Strömungen der heutigen Zeit frei machen würde. Die Erziehung nach außen, "wenn ich so sagen darf, im Gegensatz zu der Erziehung nach innen, muß sich notwendigerweise stets an Gegenwärtigem orientieren. 67

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