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Der jüdische Student · 1932-02-01 · Heft 2 (Februar 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 2 (Februar 1932)
Date
1932-02-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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daß aber ungleich stärker ihre judenhelzerische Tendenz sichtbar wurde, wie denn auch bei den letzten Unruhen in ununterbrochener Folge antisemitische Lieder und Rufe laut geworden sind. Die öffentliche Ruhe ist zwar durch das Eingreifen der Polizei wieder hergestellt worden und die rechtzeitigen Beobachtungen durch Kriminalbeamte ergaben die Festnahme von 8 nationalistischen Rädelsführern., Vermissen müssen wir die aber bis heute eine klare Stellungnahme des Rektors und der Professorenschaft, daß sie von der Gesinnung, die zu den Unruhen geführt hat, entschieden abrücken. Uns können die Vorkommnisse nicht entehren; die Universität hat dafür zu sorgen, daß jeder Studierende seiner Arbeit ungehindert obliegen kann und sich nicht nur darauf zu be-. schränken, durch polizeiliche Eingriffe die Ordnung wieder herzustellen, nachdem dauernd derartige Unruhen vorkommen. Wir verlangen über die Selbstveständlichkeit der formalen Gleichberechtigung hinaus die Anerkennung unserer jüdischen Eigenart, wie denn auch das Problem nicht ein nur jüdisches ist, sondern auch die Studenten anderer Völker, auch des deutschen Volkes, demselben Geist chauvinistischer Verhetzung z. B. an polnischen Universitätea anheim fallen. Wir übergaben dem Rektor folgende Entschließung: „Wieder ist es in den letzten Tagen zu antisemitischen Aus-, schreitungen an der Berliner Universität gekommen. Jüdische Studenten, Angehörige eines Volkes, dem Lehre und Studium in den Jahrtausenden seiner Geschichte Lebensinhalt gewesen sind, und das seine Kämpfe mit geistigen Waffen auszutragen 'gelernt hat, können durch Beschimpfungen dieser Art in ihrer Ehre nicht getroffen werden. Wir verwahren uns jedoch gegen diese Angriffe, die unsere Sicherheit und damit unsere Lernfreiheit, die ungestörte Vorbereitung aufr unseren akademischen Beruf bedrohen. Wir verlangen mit aller Entschiedenheit Schutz unserer Rechte von dem Kulturstaat, dessen Bürger wir sind, und von der Universität, deren geistiges Leben Juden lehrend und lernend gefördert haben und fördern.** Der Rektor erklärte demgegenüber, daß er jede Austragung geistiger Kämpfe mit der Faust aufs schärfste verurteilen muß, daß er am liebsten mit der Gesamtheit der Studentenschaft kooperieren würde. Ein Wunsch, der aber dadurch, daß die antisemitische „Deutsche Studentenschaft" nur eine Minderheit der Studentenschaft vertrete, unmöglich gemacht sei. Die Astawählen hätte dies bewiesen. Die Forderungen, die wir vertreten, wird er dem Senat weiterleiten. Das Präsidium hat im Anschluß an diese Konferenz für eine ausführliche Information der allgemeinen und der jüdischen Presse Sorge getragen. H. K. (Die Entschließung ist bisher eine des Präsidiums. Sie wird dem Kartelltag zur Bestätigung vorgelegt werden.) 60

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