Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur jüdischen Geschichte im besonderen gibt es eine ganze Reihe von Büchern und Aufsätzen, die 60 bis 80 Jahre alt und heute noch entscheidend wichtig sind. Die Forderung, daß die Geschichtsliteratur „lebendiger** sein müsse, entbehrt gewiß nicht der Berechtigung. Trotzdem wird mancher dem Laien „langweilige** wissenschaftliche Beitrag viel tiefere und nachhaltigere^ Wirkung ausüben als die für kurze Zeit überlebendigen Werke von Spengler oder Ludwig. Auch deren künstlerische Lebendigkeit ist von der wissenschaftlichen Lebendigkeit, die ihnen Material und Anregung schafft, abhängig. Aber gerade Ludwig, Hegemann, Kasteinr, Feuchtwanger, Scholz, Marku,. Jelusich und manche andere zeigen, daß sich in den letzten Jahren wieder eine Neigung zu historischem Nacherleben in breiterer Oeffentlichkeit entzündet hat. Die großen geschichtlichen Begebenheiten der letzten zwanzig Jahrs haben dafür gesorgt, daß die unvermeidliche Gewalt der historischen Tatsachen uns wieder ins Bewußtsein gerückt ist. Neben der geschichtlichen Literatur blüht eine wirtschaftspolitische, eine sozialpolitische, eine nationalpolitische,' alle diese Bemühungen bleiben hilflos — was sie vielfach wirklich sind —, wenn nicht eine ernste Tatsachenerforschung ihnen sichere Grundlagen gibt. Wer wirklich wissen, verstehen, handeln will, kann sich nicht, wie es doch meistens geschieht, mit historischer Belletristik begnügen. Diese schönen Bücher sind so gerundet und geschliffen, daß uns bei ihrer Lektüre alle historische Tatsächlickeit wie ein süßer oder schwerer Traum eingeht „ und nicht ins Leben des hellen Tages hinüberführt. In dieser Art träumen ist nicht nutzlos, aber es ist zu wenig. Kein Ka&fedn und kein Feuchtwanger werden daüber böse sein, wenn ihre Leser aiff dieselben Quellen zurückgehen, dfee sie selbst benutzt haben; sie werchm im Gegenteil darin eine Bestätigung der Ueberzeugungskrafl ihrer künstlerischen Leistung finden. Da den meisten deutschen Zionisten i eine wriHich intensive Beteiligung am jüdisxöen Leben aus vielen bekannten (Sründen mehr oder minder . verschlossam bleibt, müßte dieser Weg in viel hifterem Grade gesucht werden, als es geschieht. Ich hälfe vielleicht einen Aufruf zugunsten der „Zeitschrift für die Geschichte fe* Juden in Deutschland" auch im 3an einer ans Herz greifenden Propaganda schreiben sollen. Aber ich denke, deutsch-Jüdische Akademiker sind durch eigene Ueberlegung zu überzeugen. Heft 2/3 des Jahrgangs 3 enthält folgende *Baaträge: Otto Klt|fei Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des 3fbmanismus; Julius Brutzküs, Der Haidel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiew; A. Eckstein, Zur beschichte der israelitischen Kinienverfassung in Bayern; Guido KissÖT, Dissertationenliteratur zur Geschk&te der Juden aus den Jahren 1922^-1928; Viktor Kurrein, Die Mesneaär von Enns; Salo Baron, Zur ostjücfehen Einwanderung in Preußen, Mszellen; Buchbesprechungen; Biblkgraphische Notizen von Heinrich Lüve. Mögen & vorstehenden Betrachtungen zu eigener Ueberiegung anregen! Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland'* verdient gelasen zu werden! K. 35