Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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wahrscheinlich doch nickt alle dort leben können. Wir müssen uns bemühen, selbst die Forderungen zu erfüllen, die wir an andere stellen. Daß es für uns große Schwierigkeiten in dieser Beziehung gibt, ist nicht zu leugnen» Aber Schwierigkeiten sollten für uns kein Grund zur Resignation sein, sondern wir müssen versuchen, sie durch ernste und andauernde Arbeit aus dem Wege zu räumen. Mit Forderungen allein ist noch nichts erreicht. Da wir als Zionisten anerkennen, daß wir nur in Palästina ein normales jüdisches Leben führen, nur dort unseren Zionismus verwirklichen können, müssen wir daran gehen, die seelischen und objektiven Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß wir wirUlch bereit und befähigt sind, dieses Ziel zu erreichen. Wir müssen, soweit wir können, versuchen, die Ueberwindung der materiellen Schwierigkeitm zu erleichtern. Das K.J.V. hat hier leider zunächst nur sehr wenig Möglichkeiten. Es kann aber wenigstens alle Bedingungen erforschen, alle Aussiebten ermitteln, genaueste Aufklärung über Zustand und speziell Wirtschaflsmögliihkeiten Palästinas geben. Das heißt, es kann sich ein wirkliches Palästinaresort schaffen, das uns dauernd ein klares, lebendiges Bild von drüben vermittelt. Noch wichtiger aber ist es, die inneren Voraussetzungen in jedem Einzelnen zu schaffen. Das ist nur möglich durch eine lange und zielbewußte Erziehungsarbeit. Man muß das Ldien in der Verbindung und ihre Arbeit diesem Ziele entsprechend gestalten. Unter diesem Gesichtspunkt bekommt z. B. die hebräische Arbeit erst ilnen eigentlichen Sinn. Besonders aber muß man den Zionismus mit dem ganzen Schwung und der ganzen Kraft, die er auszustrahlen vermag, an die jungen JLJ.V.er heranbringen, damit es ihnen zum inneren Zwang und Bedürfnis wird, ihren Zionismus in Palästina zu verwirklichen. Diese Entscheidung muß langsam heranreifen. Sie wird dann aber auch viel fundierter und ehrlicher sein als eine Entscheidung, die, durch, plötzliche Forderungen hervorgerufm und unter dem Zwange eines Augenblicks getroffen, später mehr belastend ak befreiend w irkt. Eine Erziehungsarbeit unter solchem Aspekt ist sehr schwer and eine Arbeit von Jahren. Ani meisten wird man mit der Bequemlichkeit cks Einzelnen zu kämpfen haben, mit dem Widerstand gegen alles, was geeignet ist, ihn aus dem gewohnten Trott zu reißen. Aber der Zionismus ist eine greße Kraft und kann genügend Liebe und Begeisterung erwecken, um die Trägheit der Masse zu überwinden. Das K.J.V. muß sich endlich in einer so wichtigen Sache ein Ziel setzen und dann an die Arbeit gehen, es zu erreichen. Wir dürfen aber nicht zu schnell verzweifeln, wem der Erfolg nur ganz allmählich kommt. — Die beste Erziehungsmethode ist das Beispiel. Stark wird die Rückwirkung auf uns -aber nur dann sein, wenn die Menschen als K.J.V.er hinübergehen, wenn ihr Hinübergehen das sichtbare Resultat unserer Erziehungsarbeit ist. Auch jetzt gehen ja K.J.V.er nach Palästina, aber sie tun es als Einzelgänger; besonders bedauerlich aber ist es, daß wir so bald jeden Zusammenhang mit ihnen verlieren. Dieser Zustand v/ird dann ein Ende haben, es wird uns ein lebendiges und immer eiger werdendes Band mit Palästina verbinden. Unser gesamtes Tun (nicht nur unsere Erziehungsarbeit) wird dann einen Elan bekommen, der nicht nur tur uns, sondern für den ganzen deutschen Zionismus von großer Bedeutung lein kann. Verantwortlich: Paulü-haur^acber, Berlin-Wilmersdorf, Nassauisch« Straße 21. Druck: F i s c b 2 r - D r u c k 0bVtL. B e rlln SO 16. /.-. . .;