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Der jüdische Student · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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IRÜNÖ PEHt Die Jüngeren im Kartell kennen ihn nicht, die Aelteren kennen ihn alle. Er war kein Mensch, der gleichgültig ließ; man liebte ihn oder man bekämpfte ihn, ein Drittes gab es nicht. Wenn wir von Erziehung im K.J.V. reden, so ist das für uns, seine Leibfüxe, identisch fast mit seinem Namen. Schon wie er für das K.J.V. warb, das war einzigartig. Als gänzender Psychologe begriff er schnell die Struktur des Menschen, mit dem er sprach, und seinen Wert. Er fand den Angelpunkt, an dem er ihn -aus dem geistigen Gleichgewicht heben konnte, unfehlbar und sofort. Auf dem Trümmerfeld eines oft durch Trägheit diktierten assimilierten Weltbildes errichtete er dann das, was wir zionistische Weltanschauung nannten. So erstand für uns, die wir aus der Assimilation kamen, ein neues Gesichtsfeld. Wir sahen mit neuen Augen und wir dachten in einem neuen Geist. Und da uns das alles menschlich um und um kehrte, so gewann Bruno Perl auch auf unsere menschliche Entwicklung gewaltigen Einfluß. Er spürte unsere Fehler und Schwächen auf. und er überwand sie mit feinem Einfühlungsvermögen, eingehend auf die Eigenart jedes Einzelnen. Darum ist er für uns ein Erzieher geworden im besten Sinne des Wortes. Er duldete nichts Halbes. Wie er sich selbst ganz hingab für eine Sache, so verlangte er von uns bedingungslose Hingabe an den Zionismus. Er ging nach Palästina, weil für ihn der Zionismus eben darin bestand, daß man nach Palästina ging. Zu uns sagte er: ,,Ich habe zu beweisen, daß der Weg, den ich Euch gehen lehre, der richtige ist." Daß er im Lande keinen Platz fand zur Entfaltung seiner reichen Gaben und Kräfte, hat ihn zerbrochen. Als er zurückkam, machte er aas seiner personlichen Enttäuschung keine Theorien wie manche andere, sondern zog sich still zurück. Was er besaß an menschlicher Kraft, an Liebe und Hingabefähigkeit, hatte er für den Zionismus eingesetzt und vertoren- Niemals hat er diesen Verlust verwunden. Dieser Mensch, für den das Ideal Sinn seines Lebens war. zerbrach innerlich, als das Ideal für ihn als Lebenserfüllung zerbrach. Zurückgekehrt fand er keinen Sinn mehr im Leben. Mit ihm ist ein Stück unserer Jugend dahingegangen, ein Teil von uns selbst. Hans Katschke.

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