Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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chen, in denen sich die Juden zusammendrängten, sei bei langsam, sBer nachhaltig fortschreitender Kollektivierung nur noch wenig Raum für jüdiffihe Wirtschaftsentfaltung. Man wird dieser Deduktion im wesentlichen folgen müssen, sdbst wenn man — anders als Marcus — nicht der Ansicht sein sollte, das deutsche Volk tendiere von Hause aus zu gebundener Wirtschaftsweise und habe &s liberale 19. Jahrhundert als etwas Wesensfremdes halb widerstrebend miterhbt. Gerade die "wirtschaftspolitischen Maßnahmen der letzten Zeit sind m. E. als Bestätigung der Marcusschen Darlegungen anzusehen. Wenn das Reich B'e Dresdner Bankt wenn der Freistaat Sachsen die Adca übernimmt, wenn der Plan einer Reichsaufsicht über das gesamte Kreditwesen ernsthaft diskutiert wird, wenn die Möglichkeit einer geordneten Kreditgewährung von der Reichsgarantie für Großbankgläubiger abhängig ist, wenn die Diskontpolitik auf Wichen hinaus die Entwicklung und den Umfang aller wirtschaftlichen Tätigkeit reguliert, so bedeutet das einen Eingriff der öffentlichen Hand, der Kollektivwirtschaft, in die zentrale Position der kapitalistisch-individualistischen Wirtsxäaftsweise, in das Kreditwesen, die mit dem liberalen laisser faire, laisser pmser wirklich nichts mehr zu tun hat. Daß hier Ansätze zu einer planwirtscWtlichen Bindung der individualistischen arbeitsteiligen Marktwirtschaft voilfegen, ist unverkennbar. Und es spricht nichts dafür, daß diese Ansätze feine Weiterbildung erfahren. Im Gegenteil, nicht nur links, sondern auch rechts rinden sich heute in Deutschland starke politische Gruppen, welche & Kollektivierungstendenzen unterstützen. Was lolgt daraus für dieökonomische Zukunft der deutschet Juden? Nach Marcus folgendes: „Soll der deutsche Jude so weit in den Entwicklungsprozdl der deutschen Wirtschaft eingegliedert werden, daß sein wirtschaftliches Schssksal nicht, wie bisher, im Durchschnitt ein besseres als das des deutschen Buchschnitts sein soll, aber auch nicht, wie \etzt befürchtet werden muß, ein schlechteres, so muß die Erziehung des jüdischen Nachwuchses die EntwrickTnigslmien, denen die deutsche Gesamtwirtschaft io\gtt bejahen, sie darf sie miht, wie bisher, verneinen. Diese Bejahung ist gleichbedeutend mit einer K&xzentrierung der jüdischen Berufsfürsorge auf die immer größer werdende Bedeiiung industrieller Tätigkeit in Deutschland, was identisch ist mit einer Umschichtung in Richtung zur Arbeiterschaft hin. Der gelernte Arbeiter mit qualifizierten Kenntnissen auf einem eng umschriebenen Fachgebiet, das ist diejenif^ wirtschaftliche Schicht, die in der Zukunft in Deutschland für den durchsclailtiich Begabten am meisten Aussicht auf eine Tätigkeit mit einiger ökonomischen Sicherheit bietet. Das ist aber, wenn die Juden diesem Zuge folgen, gleichbedeutend ihrer vollen Assimilation. Der Fabrikarbeiter, mag er auch Vorarbeiter sein oder als „Gelernter** sozusagen den Unteroffiziersstand de* Betriebes darstellen, muß in seiner Tätigkeit und in seinem Denken in einer Weise uniformiert sein, welche nur dem weit über den Durchschnitt begabten die Beibehaltung kultureller Besonderheiten von so abseitiger Art gestatten, -wie sie jüdisch bedingt sind.'* Ganz recht. Bei der geringen Anzahl von Juden in Deutschland wird eine jüdische Fabrikarbeiterschaft von eigener jüdisch-kulteeller Prägung hier niemals existieren können. 265