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Der jüdische Student · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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ausgesprochenen Fluch nicht scheute, der immerhin über 45DJahre den Wiederaufbau Jerichos verhindert hatte. Die Schrift führt an: t$ii seiner Zeit baute Hiel von Bethel die Stadt Jericho neuerlich auf, und zwaraaif Abiram, seinem Erstgeborenen; er errichtete die Tore der Stadt über SegiB, seinem jüngsten Sohne, um so dem Worte Josuas gerecht zu werden. Der Architekt Hiel begrub unter den Fundamenten der neuzuerbauenden Jerichos* Stadtmauern seinen ältesten Sohn und unter dem Stadttore seinen jüngsten Sohn, um so den Fluch von der Stadt zu lösen. Der Beweis dieser These stammt von Professor John Garstang, einem Mitglied der unter Leitung von Sir Charles Marston in Palästina arbeitenden englischen archäologischen Expedition. Bei Grabungsarbeiten:hu den Stellen, auf denen sich nach gewissen Annahmemomenten die Stadt Jreicho erhob, konnten unter den Mauemfundamenten die Gebeine zweier jurger Männer bloßgelegt werden, die ganz offensichtlich nach religiösem Ritus den Opfertod gefunden hatten. Es wirft sich nun die Frage auf, ob diese Knochenfunde tatsächlich die Gebeine der Söhne des Architekten Hiel sind. Mr. Garstang hat festgestellt, daß die alten Mauern von Jericho, hinter denen die Einwohner der Stadt den anstürmenden siegreichen Truppen Josuas Widerstand leisteten, in Wirklichkeit in dem Augenblicke in Trümmer gingen, in fem der Feind mit Mauereinwurfmaschinen und Hacken an die Umlegung der Befestigungen schritt. Den feindlichen Mauerangriffen kam außerdem noch ein heftiges Erdbeben zugute, das in diesem Kriegsjahr ganz Klein-Asien Heftig heimsuchte, und das auch seinen guten Teil an dem Einstürze der an md für sich bereits .sehr baufälligen Mauern von Jericho haben dürfte. Beim "Sang der Posaunen, eicht durch den Klang stürzten sie ein. Den Rest der Vernichtung aber vollendeten die Verwüstungen, die vom Eroberer angeordnet vairden. Auch die Prophezeiung Josuas und der Opfertod der beiden Söhne des Baumeisters Hiel, deren Gebeine Professor Garstang mit Scherheit gefunden zu haben glaubt, finden eine offenbar ganz einfache Lösung. Die. beiden Opfer beruhen auf einer bis in unsere Tage übernommenen Uehaa-lieferung, die behauptet, daß es ein gutes Vorzeichen sei, einen Neubau atff Blut zu errichten. Tatsächlich ist ja auch Jericho nicht die einzige Stadt, die menschliche Opfer bei ihrer Grundsteinlegung forderte. Die Wissenschaft erimert sich des kürzlichen Fundes anläßlich der Ausgrabung der alten Stadt Bdü-San*in Palästina, unter deren Grundmauern der einbalsamierte Leichnam eira?i jungen Frau, der Länge nach in zwei Teile geschnitten und so beerdigt, bloßlegt wurde. Auch bei dem Bau des Kremls in A&>skau wurde bekanntlich in einer Ecke der Grundmauer eine lebende Frau lebendig eingemauert Amh die Bauarbeiter der Antike stellten bei der Errichtung von Gebäuden, ganz besonders aber bei der Grundsteinlegung ganzer Städte die Forderung naifi. Menschenopfern, um so die bösen Geister und die schlechten Mächte des Erdinnern zu beruhigen und der neuen Stadt eine glückliche Zukunft zu gewährleisten. Hierin liegt offenbar der wahre Grund der Opposition, die sich gegen den Wiederaufbau von Jericho wandte, da die Bauarbeiter Menschenopfer vor der Grundsteinlegung forderten, und verständlicherweise sich niemand dazu Hergeben wollte, sein Leben unter den Grundfesten der neuen Stadt zu beenden. Man überließ lieber die Stadt ihrem Schicksal, ohm Umfassungsmauer und Neubauten. Doch auch der Baumeister Hiel handelte bei der Opferung 187

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