Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wirklingen von Tag zu Tag furchtbarer werden, uns um die Erfolge der Agency-Politik gebracht hat. Unser Vertrauen zum jüdischen Volke, zu seinem Lebenswillen und zu seiner Verbundenheit mit Palästina, ist unerschüttert. 2. Politik ist für uns nur Mittel zum Zweck. Unsere Politik wird nur dann erfolgreich sein, d. h. die Bahn für die konstruktive Aufbauarbeit des jüdischen Volkes frei machen, wenn sie sich nicht im luftleeren Räume bewegt* und Illusionen nachjagt, sondern den realen Begebenheiten Rechnung trägt und die harte Wirklichkeit zu meistern sucht. Die Faktoren, mit denen unsere Politik in erster Linie zu rechnen hat, sind die arabische Bevölkerung Palästinas und die Mandatarmacht England. Ein Ausgleich mit der arabischen Bevölkerung Palästinas ist für einen friedlichen und stetigen Aufbau des Landes unbedingt notwendig. Vorbedingung dieses Ausgleichs ist, daß bei beiden Völkern eine entsprechende geistige Atmosphäre geschaffen wird. An dieser fehlt es heute bei den Arabern und bei einem großen Teile der Zionisten. Von der Mandatarmacht verlangen wir, daß sie durch ihre konstruktive Mitarbeit den Ausgleich mit dem arabischen Volke und die sonstigen Bedingungen unseres Aufbauwerkes herbeiführen hilft. Um das zu erreichen, müssen wir wieder die öffentliche Meinung Englands und der Welt von der Gerechtigkeit und Größe unserer Sache überzeugen. 3. Die finanzielle Lage der zionistischen Organisation ist beunruhigend. Die schwere Wirtschaftskrise, die heute die Welt erschüttert, läßt uns nicht hoffen, .daß die Einnahmen des Keren Hajessod in der nächsten Periode wesentlich steigen werden. Aber das Kolonisationswerk muß fortgesetzt werden und kann nicht ohne einen aligemeinen Fonds fortgesetzt werden. Strengste Konzentration des Budgets ist dahererforderlich. Es wird nicht ohne schmerzhafte Schnitte abgehen; manche wertvolle kulturelle Institution wird ihnen zum Opfer fallen. Aber die Kolonisation muß weiter gehen. Unser Siedlungswerk und das Wachstum des Jishuw können wesentlich gefördert werden, wenn es gelingt, die private Initiative und private Mittel im größeren Umfange auf das Land hinzulenken und ihnen befriedigende Betätigungsmöglichkeit im Lande aufzuzeigen. Das sind die Vorstellungen, mit denen wir zum Kongreß fahren. Wir wissen nicht, ob der Kongreß Wesentliches zur Lösung der Probleme beitragen wird; aber wir werden schon zufrieden sein, wenn der Kongreß, der in einer so kritischen Periode stattfindet, die zionistische Organisation nicht in Abenteuer stürzt, die für unsere Arbeit verhängnisvoll werden könnten. Wir wissen nicht, wie die Exekutive aussehen wird, die der Kongreß zu wählen hat. Nach unserer Auffassung wird der Fortschritt unserer Bewegung in den nächsten Jahren nicht so sehr von einer Koalition in der Exekutive abhängen, als davon, daß sich über die Parteien hinweg eine Koalition von Menschen findet, die entschlossen ist, in voller Würdigung der realen Begebenheiten auch unter den schwierigsten Verhältnissen an der Verwirklichung unseres Werkes in Erez Israel zu arbeiten. ** Richard Lichthein\: Die Redaktion des J.St. hat die Vertreter der verschiedenen Richtungen im Zionismus zu Meinungsäußerungen über den bevorstehenden Kongreß aufgefordert. •156