Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Handwerk e. G, xn. b. H. zusammengeschlossen, die versuchen soll, den Gedanken der wirtschaftlichen Selbsthilfe auch auf diesem Gebiete zu verwirklichen. Aufgabe dieser -Genossenschaft ist Erhaltung und Forderung der wirtschaftlichen Position jüdischer Handwerker durch Maßnahmen, die die Genossen in die Lage versetzen, zu konkurrenzfähigen Preisen und rationell zu arbeiten (z. B. zentralisierter Material- und Werkzeug-Einkauf usw.). Ferner gehört dazu die Werbung von Auftraggebern. Wenn auch die Arbeitsbeschaffung an sich kein Gegenstand genossenschaftlicher Tätigkeit ist, so bildet sie doch die Voraussetzung für die anderen Arbeitsgebiete. Denn es ist klar, daß mit einer wirtschaftlich nicht tragfähigen Handwerkerschaft an die größeren Aufgaben nicht herangegangen werden kann. Natürlich behalten die Genossen ihre volle Selbständigkeit und sind für die sachgemäße Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten selbst verantwortlich. Das Büro der Genossenschaft nimmt ihnen bei der Arbeitsbeschaffung nur die Akquisition und den sonstigen nicht unmittelbar mit der Auftragsausführung zusammenhängenden Teil des Verkehrs mit dem Auftraggeber (Inkasso usw.) ab. Dagegen bildet die zentralisierte Beschaffung von Material und Werkzeugen, die gemeinsame Haltung von Werkzeugen usw. zur Verleihung an' die Genossen sowie die gleichfalls in Aussicht genommene spätere Einrichtung einer Zentralwerkstatt, durchaus den Gegenstand genossenschaftlicher Tätigkeit. Die „Arewuth" ist keine Produktivgenossenschaft. Mit dieser Art von Genossenschaften hat man besonders in Osteuropa schlechte Erfahrungen gemacht, und dieses Experiment soll hier nicht wiederholt werden. Etwas anderes ist es aber« den Betrieb des selbständigen Handwerkers neben verbilligtem Einkauf von Material und Werkzeug weiterhin dadurch konkurrenzfähig zu machen, daß er von den Unkosten für eine eigene Werkstatt entlastet wird« Einige kleine Hand- und andere Werkzeuge, die er auf der Arbeitsstelle braucht, wird er wohl immer bei sich haben müssen. Für größere Arbeiten aber, die nur in einer Werkstatt ausgeführt werden können, mietet er sich einen Arbeitsplatz in der Zentralwerkstätte der Genossenschaft. Hier hat er zum Teil eigene Werkzeuge, es stehen ihm aber auch größere Maschinen, die er sich als Einzelner nie anschaffen könnte, zur Verfügung. Er kann dadurch besser und billiger arbeiten. Mit anderen Worten: Es wird eine Rationalisierung des Handwerksbetriebes angestrebt. Das vorstehend angedeutete Ziel wird nicht von heute auf morgen erreicht werden. Die Entwicklung wird zeigen, wie die einzelnen Arbeit*'3* biete nach und nach aufgenommen bzw. erweitert werden müssen. Die „Arewuth" ist ein Versuch, der gewagt wird und dessen Ausgang für den Gedanken jüdischer Wirtschafts-Selbsthilfe von großer Bedeutung sein kann. Zurzeit wird nur ein bestimmter Kreis von Handwerkern erfaßt, nämlich das Bauhandwerk und verwandte Berufe (Maurer, Tischler, Klempner, Dachdecker, Maler, Installateure, Glaser usw.). Andere Berufsgruppen werden später hinzugenommen werden. Für die Auftragsbeschaffung hat man — was sich aus den persönlichen Umständen der Initiatoren und Gründer der Genossenschaft ergab — den Kreis noch enger gezogen, indem man sich hierbei nur auf die sabbathhaltenden Handwerker beschränkte. Es soll damit nicht gesagt 127