Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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«am41 verbinden *wr zxaneist die Vorstellung von ses&cher Beziehungslosigkeit zu meisehlichen oder tierischen Leiden <un£ von ungerechtfertigter WaUkiür, w*bei wir das Fehlen einer inneren zwhgenden Notwendigkeit als cngemg^nde Rechtfertigung der Willkür, <L ih. des freien Entschlusses erachtet. Streng genommen also konnrt die Eigenschaft „grausam" nur ^fäesen mit seelischem Eigenleben- und freiem Willen zu. Dein poetischen Wunsche aber, das tote Ding zu hedeben und ihm seelisches Empfin&ari einzuhauchen, wie dem Bedürfnis <£b? vom Unglück Betrogenen, einen Schuldigen zu (finden und ihre eigene Unv erantwortMchkeit sich txl beweisen, entstammt die spTachHch lässig Gewohnheit, Naturgewalten und anfere Ursaohen tragischer Geschicke als grausam zu bezeichnen. Weder vom lebensvemichienden Tornado noch von der -unheilbringenden Maschine, weder vom Krieg noch vom der Heuschreckenplage kann ünmce Anteilnahme am grausigen Schicksal ihrer Opfer erwartet werden. Mir liegt nichts an Wortklauberei, und iinserm -Lord steht durchaus das Basht zu, auch Staatsgeschäfte nach; dieser laxen Ausdrucksweise gxaisam zu nennen. Im übrigen enträt eas gar nicht der seelischen Moüviexing, denn über die Berufseignung gutherziger Staatsmänner fällt er >a 6ein vernichtendes Urteil und mit ibr anerkannten „-Herzigkeit** der Sfeatslenker — nur die Einschränkung „gut" nimmt er aufs Korn — hat eriimen m. E. eine Seele zuerkannt. Wir wollen uns also an den mit oder ohne Safe „grausamen Staatsgeschäften" nixfit stoßen. Als einziger Sinn bliehge dann, daß der Staat Leiden erzeugt, nnd zwar durch ein Vorgehen, das jeder inneren Berechtigung entbehrt Diese wirklich grausamen Fälle sind bis in unsere Zeitgeschichte hinein Legion, und Klio würde einen Schreiibmaschinenkrampl bekommen, wollte sie den -grandiosen Versuch unternehmen, die gesamte Beweislast aus der Staatengeschichte zusammen zu tragen. Will aber der ehrenwerte Lord die rohen Willkürakte beispielsweise der Kolonialpofitik oder armenischer Massakers für Beweise höchster Staatskunst erklären? Epigramme und Aphorismen haben ihre Bedeutung darin, daß sie soheinwerf er arüg auf eng umschri ebener Flache Lacht zu (höchster Wirkung sammeln, und das Untersiicbimgpobjekt in stärkstem Helligkeitsgrad kontrastreich hervortreten lassen. 'One kleine Ungenaiagkeit in der Zentrierung, eine geringe Unebenheit dem Ausdrucks, und der Strahlenkegel fällt nur noch auf Randpartien* während der Kern im Nebel des Dunstkreises verschwindet. (Mir scheint, unserem Lord ist das kleine Mißgeschick passiert, daß er durch eines falsch gewählten Ausdruck das ganze Bild verrückt hat und das wahre Kernstück nur noch verzerrt wiedergibt. Die Staats raison erfordert nie Grausamkeit, wohl aber Härte, die auch Leiden hervorruft. Das Leid, dessen zwingende Notwendigkeit eingesehen wird, wird meist nicht als «grausam empfunden. Selbst die verstümmelnde Operation, über deren Notwendigkeit man sich im Klaren ist, wird nicht als grausam hingenommen. Dahingegen wird man über die gleiche Verstümmelung, durch den Granatsplitter verursacht, anders urteilen, wenn man nicht von der Unbediugtheit des Krieges überzeugt ist. Aber Mr. Bagehot gibt uns eine richtige Erklärung, warum die große Masse, „neun Zehntel 116