Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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«chlossenen Kartell" zu tun? Was geschah bisher? Man gab als Kennwort eine Parole aus: Hebräisierung des Kartells. Man wird von einein Köniigsfeerger nicht erwarten, daß er sich gegen diese Parole wendet. loh wende mich aber gegen sie, solange sie die einzige Parole darstellt. In ihrer Monopolstellung ist sie gefährlich. Und zwar au® zwei Gründen. Einmal ist sie als kulturelle Erziehungsrichtlinie in höchstem Maße abhängig von den Lehrern, von den Menschen, die 6ie in die * Wirklichkeit umsetzen. Zweitens: Vergessen wir nicht, .daß das K.J.V. nicht eine Vereinigung darstellen will, die um ihrer seifest willen als Ausdruck des Wunsches ihrer Mitglieder, in .Freude und persönlicher Befriedigung die Studentenjahre zu verbringen, existiert. Was ist aber mit der Hebräisierung des Kartell« gewonnen? Sehr gute, gefühlsmäßig stark an den Zionismus gebundene Menschen. Die zionistische Organisation will jedoch Stoßtrupp, Führerin, Avantgarde -des jüdischen Volkes sein. Dasselbe gilt in einem viel höheren Maße von einem Studentenkartell. Das ist das Erziehungsziel: weniger der treue Anhänger als der führende Kämpfer für d»en Zionismus. Zu der Parole der Hebräisierung des Kartells muß 'hinzutreten die Parole: Erkenntnis weshallb Hebräisierung! IV. Heute stellen wir die Zusammenfassung einzelner Menschen dar, die die Schönheit einer rein jüdischen Athmosphäre in dem Zusammenleben mit Juden ahnen und die die gemeinsame Erkenntnis zusammenschließt, daß die Juden^rage erst mit der Rückkehr der Juden ins Judenland gelöst werden könne. Die Bildung eines Kreises erfordert jedoch das Wachsen einer bestimmten Vorstellung davon, was uns der Zionismus bedeutet, wie wir ihn einordnen in die Entwicklung unserer Persönlichkeit, warum er auf uns wirkt. Die Gedanken und Anschauungen Europas haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten entscheidend gewandelt. Und es fragt «ich, ob unser Zionismus wirklich noch — im ibesten Sinne des Wortes — modern ist, ob die Gedanken, die wir von Europa empfangen, uns erlauben, Kämpfer Ifür den Zionismus zu sein. Mit -diesen Ideen, die auch die unsrigen sind, uns auseinanderzusetzen, erst das gibt uns die Berechtigung, vom Zionismus als der „ewig alten und doch so jungen Hoffnung" zu singen. Das meinten wir, als wir verschiedene Bbr. Bfor. aufforderten, im 1. Heft des Aktiven-KoTrespondenizblattes zu der Frage Stellung zu nehmen, ob ihnen die iNeuformulierung des Zionismus, seiner Begründung und Argumentation notwendig erscheint. Die Steigerung des Kampfes, das Wachsen einer einheitlichen 'Vorstellung um diese Frage bedeutet das Wjachsen der Einheit „Kartell". Wenn diese Einheit erreicht ist, wird das Kartell seine aufgespeicherten Energien ausströmen lassen. Es wird gewillt sein, die verlorengegangene Führerstel'ltung im Lehen der jüdischen Jugend zurückzuerobern. Und dann mag das — neu zu gründende — Alktiven-Korrespondenzlblatt, das nach innen kreisbiidend winken sollte, ein neuer „Jüdischer Wille" ablösen, der sich an die gesamte jüdische Oeffentliohlkeit wendet. 28