Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537812-3537819--7786-3545834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Unterstützung .durch Juden besiedelt. Der Antisemitismus gelte als ein Staatsverbrechen und verliere immer mehr an Bedeutung. Unter den assimilierten Schichten der russichen Jud.enheit könne man eine Reassimilation an das neu sich regende jüdische Volkstum bemerken. Der Vortrag hat mir wieder einmal zum Bewußtsein (gebracht, was ich schon lange als einen Mangel empfunden habe: daß wir Zionisten, insbesondere wir K.J.V.er, uns nicht genügend mit den aktuellen Fragen des Territorialismus auseinandersetzen. Im J.St. und in der „Jüdischen Rundschau" vermisse ich jede Berührung dieser Fragen. Ich habe den bestimmten Eindruck, daß unsere Leute vor den statistischen Daten eines so kundigen Mannes wie Heller hilflos in der Diskussion versagen müßten. Nicht ohne Zufall ist ein ehemaliger Bundesbruder (Erich Fromm) Leiter der Versammlung gewesen, ein anderer (Hans Jacoibsohn) einer der eifrigsten Verfechter dieser Ideen. Ich fürchte, wir werden einen großen Teil unseres Nachwuchses, und nicht den schlechtesten, verlieren, wenn wir nicht offen und klar zu den Bestrebungen des „Ort" usw. Stellung nehmen in einer Weise, die der Bedeutung dieser Dinge gerecht wird. Sind nicht auch in unseren Reihen Leute, die nicht nur theoretisch, sondern auch auf Grund von Kenntnis der Tatsachen im J.St. oder auf Altherrenabenden (vergl. Krojankers Vortrag) über die in den Massen der Ostjuden vor sich gehende Umwälzung referieren können? Oder wäre es nicht interessant, sich für einige Abende einige unserer antizionistischen Gegner vom „Ort" oder von den jüdischen Kommunisten zu Diskussionen einzuladen? Ludwig Nelken. * Studentinnen und K. J. V. Es müßte jedem klar sein, daß man auch die jüdischen Frauen zionisieren muß. Die zionistische Frauenbewegung in Deutschland ist sehr schwach. Eine der Ursachen ist, daß das Mädchen, das aus der Jugendbewegung herausgewachsen ist, keine adäquate zionistische Betätigungsmöglichkeit mehr vorfindet. Das K.J.V. nimmt keine Studentinnen auf. Erörtert man den Gedanken der Aufnahme von Studentinnen mit Bundesbrüdern, so hört man die haarsträubendsten Argumente dagegen. Man sieht ein, daß es sich fast nie um eine begründete Stellungnahme handelt. Wirkt es nicht reichlich primitiv, wenn behauptet wird, daß es in einem Kartell von Studenten und Studentinnen keinen freundschaftlichen, kameradschaftlichen Zusammenhang, d. h. keine Bundesbrüderlichkeit geben könne? Nur einem Psychoanalytiker wird man eine wirksame Polemik gegen diese Argumentation zumuten können. Schauen wir uns aber einmal die Universitäten an. In Frankfurt sind 60 Prozent der neuimmatrikulierten Juden Studentinnen, in Leipzig und anderen Städten ist es nicht viel anders. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung geht dahin, daß die Frau in manchen Berufen vorherrschend wird, in vielen dem Manne gleichsteht. Damit verändert sich das Wesen 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.