Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gesamtbevölkerung an. Diese Vorhersage Knoepfels ist eingetreten, und zwar gilt dies sowohl für die Geburten als auch für die Sterbeziffern. Es entfielen in Preußen: Auf 1000 Einwohner Geburten Sterbefälle Geb.-Überschuß Gesamtbevölk. Juden Gesamtbevölk. Juden Gesamtbevölk. Juden 1876-1880 40,0 31,7 26,1 17,6 + 13,9 + 14,1 1881-1885 37,9 28,1 25,9 17,2 + 12,0 + 10,9 1886—1890 37,7 23,9 24,4 16,1 + 13,3 + 7,8 1891—1895 37,2 22,5 23,0 15,9 + 14,2 + 6,6 1896—1900 37,1 20,4 21,2 14,3 + 15,9 + 6,1 1910 30,5 15,7 15,9 13,7 + 14,6 + 2,0 1927 18,4 10,9 11,9 14,2 + 6,5 — 3,3 1928 18,6 10,8 11,5 14,2 + 7,1 — 3,4 Die steigende Todesziffer der Juden rührt nicht von einer Verschlechterung der Gesundheitsverhältnisse, sondern von Veränderungen im Altersaufbau, d. h, von dem immer stärker werdenden Uebergewicht der älteren Jahrgänge her. Wahrscheinlich — meint Kahn — sei die Sterblichkeit noch größer, sie werde aber durch die stark ansteigende Austrittsbewegung verschleiert. Auffallend ist die kärgliche Besetzung der Klasse der Jugendlichen. Ueber zwanzig Jahre sind bei den Juden 77,2 Prozent, bei der Gesamtbevölkerung 67,2 Prozent, im Kindesalter bis 15 Jahre sind bei den Juden 16,1 Prozent, sonst 23,2 Prozent, im Heiratsalter bei den Juden (20 bis 30 Jahre) 15,9 Prozent gegen 19,3 Prozent, im Greisenalter (über 65 Jahre) 14 Prozent gegen 10 Prozent. Die geringe Besetzung des Heiratsalters drückt auf die Eheziffer und damit auf die Geburtenhäufigkeit. Die Geburtenziffer mit etwa 10 Prozent im allgemeinen und nur 8—9 Prozent beispielsweise in Berlin, ist nicht allein auf die geringe Kinderzahl der jüdischen Ehen, sondern vor allem durch den starken Rückgang der Eheschließungen bestimmt, was aber auch für die übrige Bevölkerung gilt. Die jüdische Ehehäufigkeit betrug 1927 nur 6 pro Mille gegen 8,5 pro Mille der Gesamtbevölkerung. Der Grund liegt im Altersaufbau, denn die Jahrgänge 1900—1910, die jetzt zur Ehe kommen, waren bei der Gesamtbevölkerung sehr kinderreich, bei den Juden aber durch Geburtenrückgang bereits stark geschwächt. Darin sieht Kahn ein Barometer für die zu erwartende gesamtdeutsche Entwicklung. 9