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Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Hier ergibt ©ich die erste Aufgabe für die Altherrenschaft: ein politische« Forum zu schaffen, wobei der bundesbrüderliche Zusammenhang ein wichtiger Faktor für die Ermöglichung einer sachlich geführten ernsten politischen Diskussion sein konnte. Die Existenz der Altherrenschaft unseres Bundes kann nur dann als gesichert angesehen werden, wenn es gelingt, sie teilnehmen zu lassen an den großen Entwicklungen des zionistischen Lebens, sie zu erfüllen mit einem von allen als entscheidend empfundenen lebendigen geistigen Inhalt. * Ginsburg leitete den nächsten Tag ein mit einem interessanten Referat, das eine Analyse des deutschen Judentums zu geben versuchte. Auch hier zeigte sich sofort, welches weite Arbeitsfeld für eine geistig interessierte, organisatorisch erfaßte Altherrenschaft gegeben ist. Wir erleiden auf der einen Seite eine Krise des deutschen Judentums, die seine Fundamente zu erschüttern scheint. Wir haben auf der anderen Seite kaum die ersten Ansätze einer konstruktiven jüdischen Wirtschaftspolitik; Voraussetzung für das Gelingen einer Einflußnahme gegenüber der jetzigen wirtschaftlichen Bedrohung ist die Erkenntnis der Situation, eine wirtschaftliche Bilanz des deutschen Judentums. Diese Aussprache fand großen Widerhall. Erwähnenswert sind die Ausführungen von Kareski, der sich aufzuzeigen bemühte, daß von der zionistischen Gemeindevertretung, der Jüdischen Volkspartei, ernsthafte Versuche einer konstruktiven jüdischen Wirtschaftspolitik erfolgreich eingeleitet seien. Ebenso die Darlegungen von Alfred Berger, der insbesondere auf «die Wichtigkeit und die mannigfachen Arten sozialer Betätigung hinwies. Es eröffnet sich hier auch gerade der Altherrenschaf t ein neues Arbeitsfeld, wobei es wichtig ist, dieses einzureihen in das zionistische Arbeitssystem. Sinnvoll und erfolgreich kann diese Arbeit nur durchgeführt werden, wenn die Präponderanz palästinozentrischer Tätigkeit anerkannt ist. Wir dürfen nicht verkennen, daß es ein von uns als zionistische Grunderkenntnis bezeichneter Gedanke war, daß das Judentum im Galuth sich niemals zur harmonischen Vollkommenheit entwickeln kann. * Weniger gelungen war die Aussprache des Nachmittags. Nicht wegen des Referenten, denn es war durchaus wichtig, die Kernfrage, die Meinhold Nußbaum seinem Referat vorausstellte, nach der Lebensmöglichkeit unseres Zionismus bei der augenblicklichen politischen Konstellation, rückhaltlos aufzuzeigen. Es wäre fruchtbarer gewesen, lediglich diesen Gedanken zur Diskussion zu stellen, da ja eine derartige Tagung niemals arbeitstechnische Einzelheiten regeln kann, sondern sich auf prinzipielle Auseinandersetzungen in der Hauptsache beschränken muß. Zweifellos ist Blumenfelds t in der Diskussion begründete Ansicht richtig, daß es für jeden leitenden Kreis, also auch das jetzige Präsidium, unmöglich ist, allen einzelnen Bundesbrüdern ein zionistisches Arbeitsfeld zu schaffen, richtig mit der notwendigen Einschränkung, daß sich in unserer Altherrenschaft im Rahmen des Möglichen immer noch sehr viele unausgenutzte Gelegenheiten aufzeigen lassen. * 2

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