Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Korporation unerläßlich. Sie ist, schon am Fuxentisch beginnend, die wesentliche Eigentümlichkeit der Verbindung, der Ausdruck ihres Wesens als Organisation, die auf persönlicher Verbundenheit beruht. Denn der Zweckverein kennt keine so beschaffene Disziplin. Das Mitglied kann dort seinen Zielen dienen oder nicht, es darf aus- und wiedereintreten, und die Intensität seiner Betätigung bleibt ganz und gar seinem Ermessen überlassen. Hier herrscht das rein Zweckhaft-Sachliche; das Persönliche bleibt im Hintergrund; die Organisation führt kein Eigenleben, es kommt nicht unmittelbar auf sie an, sie besitzt nahezu keinen immanenten Selbsterhaltungstrieb. Weit mehr ins Persönliche greifen bereits Organisationen vom Typus etwa der chaluzischen Jugendverbände ein*, da wird vom Mitglied ein Ganzes der Betätigung verlangt. Doch ist seine Zugehörigkeit zur Organisation jederzeit Sache freien Entschlusses. In der Verbindung tritt das Persönliche in den Vordergrund; der Einzelne mit den Eigentümlichkeiten seines Charakters wird ins Netz des gemeinschaftlichen Lebens eingesponnen. Dies ergibt die familienhafte Beziehung der Bundesbrüder zueinander, die von so großem erzieherischem Werte ist. Dem Mitglied wird eingeschärft, daß es mit dem Ablegen des Burscheneides der Verbindung für immer verschrieben ist. Der Bursch kann sie ebenso wenig verlassen, wie etwa der Jude das Judentum (denn sie betrachtet sich selbst als lebende Zelle des jüdischen Volkes); sie wird in ihm immer ihren Sohn sehen, wenn auch mitunter den ausgestoßenen. Hier ist also die Organisation Selbstzweck, Organismus; in ihr waltet ein Teil des Lebenstriebes des jüdischen Volkes, und sofern dieser nach Erez Israel tendiert, ist auch sie von diesem Drang beherrscht. Diese Selbsterhaltung der Organisation kann über die Stärke des zionistischen Gedankens innerhalb eines gewissen jüd. akad. Kreises täuschen; ein dichtes Netz zionistischer Verbindungen ist in erster Linie Zeichen einer nationalfühlenden jüdischen Akademikerschaft. Freilich ist heutzutage damit Zionismus verbunden. Es versteht sich, daß, ehe der Einzelne sich so vollkommen seiner Gemeinschaft, diese dem Einzelnen verhaften, eine gegenseitige Probezeit vonnöten ist: die Fuxenzeit, ein Institut also, das mit der Eigenart der Verbindung als Organismus fest verknüpft ist. Mit der Fuxenzeit ist eine strenge Erziehungsdisziplin verbunden. Ihre, prinzipielle Zulässigkeit ist genau wie die des Couleurs zu beurteilen: entbehrlich bei idealen, vollkommenen, segensreich bei realen, unvollkommenen Menschen. In der Tat braucht die erzieherische Wirkung (Selbstdisziplin) dieser Einrichtung nicht erst hervorgehoben zu werden. Wir erblicken eine Möglichkeit zu schaden allerdings in der Hinsicht, daß junge Energien eine Zeitlang für das Schöpferische gehemmt werden. Doch kann dies dadurch behoben werden, daß die jungen Füxe zunehmend mit selbständigen Aufgaben betraut werden. Verhältnismäßig kurz ist die Frage des Burschenexamens zu erledigen. Es entspricht so sehr unserer theoretisch gerichteten Mentalität, daß sich wohl von keiner Seite Widerspruch dagegen erheben wird. Gewiß ist theoretische Bildung kein ausreichender, jedoch ein notwendiger, jedenfalls er- 30