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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Per Zionismus und die Lösung der Judenfrage Von Kurt BlumenfeldL Es ist gar nicht so lange her, daß die Existenz einer Judenfrage in westlichen Ländern entschieden bestritten wurde. Als ich im Jahre 1905 einen Vortrag über das jüdische Wirtschaftsproblem hielt und behauptete, daß auch in Westeuropa die Juden allmählich in allen Berufen zurückgedrängt werden würden, je mehr das System individualistischer Wirtschaft durch neue Formen der Staatswirtschaft ersetzt wird, daß jede Vertrustung des Kapitals, jede Vergenossenschaftung und Organisierung von Konsumentengruppen im Effekt antijüdische Wirkungen haben müßten, war man in nichtzionistischen Kreisen empört, in zionistischen zumindestens skeptisch. Heute wird die Richtigkeit der zionistischen Diagnose auf allen Gebieten des Lebens praktisch anerkannt, wenn sie auch theoretisch noch oft umstritten ist. In der Politik können Juden bestenfalls in oppositionellen Parteien eine Rolle spielen. Wo man zur Macht gelangt, wo es sich um Herrschaft und Verwaltung handelt, sorgt man dafür, daß der zulässige Prozentsatz nicht überschritten wird, wenn man schon keine völlige Judenreinheit erreichen kann. Gerade bei der Gründung der Staatspartei sei daran erinnert, daß Friedrich Naumann schon vor dem Krieg der Tatsache, daß die demokratischen liberalen Parteien als Judenparteien angesehen wurden, die Schuld an der mangelnden attraktiven Kraft dieser Parteien gab. Die gesellschaftliche Stellung der Juden hat sich grundlegend geändert. Die Juden bilden heute überall eine eigene Gesellschaft und wissen zum Teil gar nicht mehr, daß sie törichterweise einmal den Zionismus beschuldigt haben, er führe die gesellschaftliche Isolierung herbei. Die Entwicklung war stärker als das Bestreben, durch Assimilation die bestehenden außerreligiösen Unterschiede zu beseitigen. Wenn wir heute von der Auswegslosigkeit der jüdischen Situation sprechen, so versucht man mit uns über Maßnahmen zur Verbesserung der Zustände zu diskutieren, wagt aber kaum noch, unsere allgemeine Auffassung grundsätzlich zu bestreiten. Wenn man aber auch unsere Diagnose anerkennt, ,so sträubt man sich doch mit aller Energie gegen die sehr schwer zu ertragenden Konsequenzen, zu denen der Zionismus gelangt. Das ist psychologisch zu verstehen. Nur unter großem Druck entschließt sich die beharrende Menge zuzugeben, daß im Galuth eine Lösung der Judenfrage nicht zu finden ist. Auch in der zionistischen Welt setzen sich die Erkenntnisse der zionistischen Analyse der bestehenden Zustände nur sehr unvollkommen durch. Glaubte man aber, daß nur in der Verwirklichung des Zionismus eine Antwort zu finden sei, so verlangte man wenigstens, daß diese Antwort möglichst umfassend und absolut befriedigend ausfallen soll. Als man einsah, daß die Schwierigkeiten jüdischen Lebens und jüdischer Entwicklung darin liegen, daß die Juden überall Minderheiten bilden, daß sie nirgends das Recht der freien Selbstbestimmung haben oder erlangen können, forderte man als Antwort mit logischer Konsequenz eine die jüdische 17

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