Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537812-3537815--7606-3545650- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf dem K.T. mit aller Energie für Bereinigung persönlicher Gegensätze und Befriedung eintraten, also praktisch gesehen für ein Koalitions- Präsidium unter einem „neutralen" Präsiden — nahm ja diese Haltung nicht ein, weil die einzelnen Bbr.Bbr. politisch und kartellpolitisch ohne bestimmte Anschauungen waren, sondern nur unter dem Drucke der Sorge für die Einheit des Kartells und für ungehemmte Arbeitsmöglichkeit aller Kreise des Kartells. Blumenfeld hat uns richtig verstanden, wenn er sagte, daß es einem Kartell, wie es sein sollte, nichts geschadet hätte, ein im Kampf gewähltes Präsidium zu bekommen. In der jetzigen Situation war die tatsächlich jetzt zustande gekommene die einzig mögliche Lösung. Im Vertrauen darauf, daß mit dem fast einstimmigen Wahlergebnis wirklich diese Lösung vollzogen ist, kann ich also jetzt von unseren Aufgaben sprechen, Sie allgemein zu umreißen ist leicht. Sie ergeben sich aus unserer Stellung als Verbindung zionistischer Akademiker, Problematisch sind nur einzelne Teilgebiete unserer Arbeit, praktische Dinge, Schwierigkeiten, die sich in täglicher Verbindungsarbeit zeigen. Ich glaube also, daß sich ein Kartell, so wie es heute ist, unter Wahrung unserer Tradition gerade auf Grund des bisher geleisteten gut weiterarbeiten läßt. Jede grundsätzliche Umwälzung (wie sie z. B. im vorletzten J.St. vorgeschlagen und auf der Chargiertentagung besprochen wurde) halte ich für unerlaubt, weil sie nicht zwangsläufig notwendig ist. Aus dieser unserer Stellung (Verbindung zionistischer Akademiker) läßt sich alles herausholen, was wir an Forderungen an uns zu stellen haben. Man muß nur den Mut haben, wirklich Ernst damit zu machen, und nicht eigene Unzulänglichkeit mit der Unzulänglichkeit der Institution entschuldigen. Das ist „ideologischer Ueberbau". Selbstverständlich sind viele Dinge besserungsbedürftig: Regelung der Universitätszeit (sechs statt acht Semester), Uebergangsbestimmungen für die große Zahl unerer Inaktiven ohne hebräische Kenntnisse (ich glaube, man muß vor einem etwaigen Ausschluß sehr ernsthaft prüfen, ob diese Versäumnis nicht mehr unsere Schuld als die 4er betreffenden Bbr.Bbr. ist), Festlegung der Burschenexamina (einheitliche Anforderungen; die schriftliche Burschenarbeit halte ich für sinnlos, man soll sich mit einer eingehenden mündlichen Prüfung begnügen), Teilbezirke (A.H. A.H, in der Provinz!). Dies sind nur einige Dinge. Diese und noch manche andere sollten jetzt einmal diskutiert und dann geregelt werden. Aber um es zu wiederholen: im Prinzip halte ich unser K.J.V. für eine bewährte Institution, die voll arbeitsfähig ist, die Menschen ausbilden und neue heranziehen kann, solange es bei uns — d. h. den Aktiven — immer wieder Menschen gibt, die sich hundertprozentig für das Kartell einsetzen, solange sie in Semestern stehen, die ihnen diese Arbeit erlauben. Hiermit komme ich zu unseren praktischen Aufgaben in diesem Semester. Und dies halte ich für eine richtige Methode: nicht großartige Ideologien auszuspinnen (das ist immer leicht), sondern sich konkrete nächste Ziele zu setzen, diese zu erfüllen und dann auf dem erreichten weiterzubauen. Das wichtigste ist die Durchführung einer planmäßigen Besetzung aller Verbindungen. Leider ist es nicht überflüssig, daran zu erinnern. Wir müssen ganz energisch fordern, daß hier nichts versäumt wird. Und nach 42