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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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Neugestaltung des J.St. Keine Frage: der J.St. ist langweilig. Er ist bedrucktes Papier. Mit. leichter Uebertreibung kann man sagen, daß er im Augenblicke des Erscheinens schon Makulatur ist. Er ist weder aktuell noch zeitlos, weder eine Zeitung noch ein gelehrtes Journal, weder für einen begrenzten Kreis noch für eine anonyme Masse. Es ist — mit einem Worte — ein Jammer, daß ein Kreis von zweitausend zionistischen Akademikern durch einen J.St. repräsentiert wird, der für seine Meinungen, Stimmungen, für seine Entwicklung und Erziehung keine praktische Bedeutung hat. Wäre der J.St. in seiner heutigen Gestalt nicht vorhanden, dann wäre das K.J.V» zwar um eine Institution von traditionellem Werte, nicht aber um einen Wert an sich ärmer. Man könnte an Hand der letzten Jahrgänge des J.St. eine gelehrte Untersuchung darüber anstellen, wer die Schuld am publizistischen Verfall des J.St. trägt: der Redakteur, der den J.St. „macht", oder das Kartell, das sich einen solchen J.St, gefallen läßt. Die Antwort kann nur lauten: das Kartell, denn es hat zu entscheiden, wer den J.St. redigieren soll. Man wird einwenden, das sei Theorie; solange man einen Redakteur nicht bezahlen wolle, müsse man dankbar sein, wenn sich überhaupt einer fände, der sich dieser Arbeit unterzieht. Zugegeben — aber dann bleibt dem Kartell keine andere Wahl, als selbst zu redigieren. Fehlt dem Redakteur jener Komplex von Eigenschaften, der nötig ist, um aus dem J.St. ein Spiegelbild der moralischen und politischen Tendenzen des Kartells zu machen, so muß das Kartell die Redaktion selbst in die Hand nehmen und den Redakteur zum bloßen Vollstrecker seines Willens machen. Das Wort von Descartes: „Ich würde mich kürzer fassen, wenn ich mehr Zeit hätte", gilt für die meisten, die im J.St. schreiben. Damit soll nichts gegen „lange Artikel" als solche gesagt werden. Es gibt Themen und Materien, die nicht kurz abgehandelt werden können. Aber Länge und Langweiligkeit sind nicht dasselbe. Länge wird nur durch steigende Spannung gerechtfertigt. Nachlassende Spannung spricht entweder gegen den Verfasser oder gegen sein Thema. Entweder fehlt dem Verfasser Klarheit und Konzentration oder seinem Thema die Eignung für den Rahmen, in dem es dargestellt wird. Die Sucht, „lange Artikel" zu schreiben, ist einer der Gründe, warum die Lektüre des J.St. so ermüdend ist. Man kann erwidern: Aufgabe des Redakteurs ist es gerade, solche langen Artikel vom Ballast des Ueberfiüssigen zu befreien. Aber das ist leichter gesagt als getan. Entweder erfordert das Thema eine breite Darstellung, dann kann der Redakteur nur im Detail kürzen, wodurch nichts gewonnen wird, oder aber die Fülle der Worte dient nur dazu, den Mangel an Gedanken und straffer Gedankenführung zu verschleiern; Konsequenz: man müßte die Hälfte streichen; weitere Konsequenz: es bleibt dem dürftigen Inhalt nicht einmal die gefällige Form. In beiden Fällen müßte ein gewissenhafter Redakteur die Artikel ihrem Verfasser mit der Bitte um Kürzung zurückgeben. Man weiß, wie es dann zu gehen pflegt: die einen sind verschnupft, antworten 18

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