Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Austritt zu einem von mir selbst bestimmten Termin anbetrifft, so liegt die Ursache nicht im Psychischen oder Moralischen, sondern ich konnte mich als Vertreter einer Aktienminorität gegen die Majorität nicht durchsetzen und zog es vor, ganz herauszugehen, als mich für ein faules Kompromiß herzugeben. Sachlich behaupte ich, einen großen Erfolg erzielt zu haben. Die Haifabucht ist fast vollständig in jüdischen Händen, ein großer Teil dieses Bodens, leider nicht, wie ich es gewollt habe, der ganze, im Besitze des jüdischen Nationalfonds, und auch geschäftlich habe ich, trotz allem, auch nicht so furchtbar schlecht abgeschnitten. Eine andere Sache ist, daß auch mir vieles hier nicht gefällt, und daß ich einen nicht unerheblichen Bruchteil meiner Zeit und Energie dazu benutze, um an Aenderungen und Verbesserungen mitzuwirken. Alle, die einmal kürzere oder längere Zeit hier waren, wissen das, besonders wer nicht im heiligen Trott mit dahermarschiert und gelegentlich den Mund aufzumachen wagt. Daß man da mal einen geschäftlichen Mißerfolg einsteckt oder mit Teilerfolgen zufrieden sein muß, ist nicht zu verwundern. Ich bitte also ergebenst, mich aus der Verlustliste der gescheiterten Existenzen wieder streichen zu wollen. Im übrigen ist an Hilbs Ausführungen und seinen Erfahrungen manches Wahre, aber ich bin im Augenblicke nicht disponiert, auf diese Fragen einzugehen. Vielleicht bei meinem nächsten Aufenthalt in Deutschland zusammen mit produktiven Vorschlägen.'* * Die öffentliche Meinung in Palästina Bei unseren Diskussionen über die Frage des hebräischen Unterrichts haben wir immer wieder darauf hingewiesen, daß wirkliche Kenntnis palästinensischer Verhältnisse Vertrautheit mit der hebräischen Sprache zur Voraussetzung hat. Ich weiß nicht, wie groß heute der Kreis derer ist, die imstande sind, aus der palästinensisch-hebräischen Presse direkt ihre Informationen über das jüdische Leben in Palästina zu beziehen. Vor allem aber unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß die große Zahl der Alten Herren für ihre zionistisch-politische Meinungsbildung auf deutschsprachige Informationen über das Leben in Erez Israel angewiesen sind. Für diesen Kreis unserer Bundesbrüder bietet sich als willkommenes Mittel zur Erlangung solcher Kenntnisse die vom Zionistischen Zentralbüro in London seit fast vier Jahren regelmäßig wöchentlich herausgegebene Presse-Revue dar. Sie bringt in wörtlichen Uebersetzungen oder Auszügen von Woche zu Woche in deutscher Sprache eine Gesamtübersieht über alles das, was der Jischuw in seiner Tagespresse sowie in seinen Zeitschriften zu den Problemen des Zionimus und des Palästinaaufbaus zu sagen hat. Sie bringt diese Presse-Aeußerungen völlig kommentarlos, ohne also auf die Richtung der Meinungsäußerung Rücksicht zu nehmen und ohne sie in irgendeiner Weise zu kommentieren oder zu kritisieren. Die Presse-Revue bringt in der gleichen Weise auch die Meinungsäußerungen der arabischen Presse Erez Israels über den Zionismus und das jüdische Palästinawerk. Sie ermöglicht es auf diese Weise, die Stimmungen 3* 15