Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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lang um die Erziehung im K. J. V. gekümmert; ich glaube, daß die Wege, die man 10 Jahre lang gegangen ist, nicht immer die richtigen gewesen sind. Ich unterschreibe durchaus die hier gemachten Erziehungspro gramme; es kommt aber darauf an, wie man unter den gegebenen Methoden die einzelnen Elemente bewertet. Ich darf Euch offen bekennen, daß ich von der Vermittlung reinen Wissens nicht das Heil erwarte. Wir bilden nicht Menschen aus, die durch die Fülle des Wissens glänzen, sondern die sich durch die Kraft ihres zionistischen Willens gegenüber der Umwelt auszeichnen. Ich warne die Jungen vor der Ueberschätzung de9 Wissens. In unserem Kreise kommt es viel mehr auf die Willensbildung an. Noch eine zweite ketzerische Meinung sei mir erlaubt: Mir braucht niemand etwas von dem Wert der hebräischen Erziehung und der Sprache zu sagen; ich habe damit zeitig genug angefangen. Aber es kommt mir immer so vor, als ob Euch die hebräische Sprache als Schleier erscheint, hinter dem sich die Wahrheit verbirgt. Es hat immer Hebraisten gegeben, die sich von uns weit unterschieden. Ich sehe darin ein wichtiges Bildungselement; wer hinüber geht, muß sich hebräisch aneignen. Jeder, der es ernst meint mit dem Konnex nach Palästina, muß soweit kommen, daß er sich aus der Tagespresse ein Bild der öffentlichen Meinung machen kann. Aber glaubt nicht, daß sich Euch dadurch gleich die letzten Geheimnisse des Judentums entschleiern. Noch ein drittes und das ist ein schweres Kapitel: Keiner von uns will den Chaluzgedanken aus dem K. J. V. herausdrängen. Aber ich bitte Euch um eins: Bewertet den Bundesbruder nicht danach, wie er aus seinem Willen zur Chaluziuth eine Realität macht. Das ist bei uns leider jahrelang geschehen. Die Verwirklichung hängt von so vielen Dingen ab, die ganz außerhalb seiner Person liegen, daß niemand schabionisiert und nach der Realität beurteilt werden kann. Nach dem Negativen das Positive: Stellt Euch ein in Eurer Erziehung auf den Kampf um das nichtzionistische Judentum! Ich begrüße daher den Gedanken, in die nichtzionistischen Jugendgruppen hineinzugehen. Ich verspreche mir weniger von der Diskussion mit anderen zionistischen Jugendgruppen, obgleich es wertvoll sein mag. Aber die Zentralaufgabe ist es, den Kampf um den Zionismus in die neutralen Jugendgruppen hineinzutragen. Ebenso unangenehm wie es mir ist, daß Ihr von uns Alten hier sprecht, die Ihr nur ein allgemeines Bild von uns kennt und nicht die einzelnen Menschen, ebenso ist es mir unangenehm, über die Altherrenarbeit hier zu sprechen; aber das Bild wäre sonst nicht vollständig. Ich sehe für die A. H. das zentrale ihrer Aufgabe im Kampfe um die öffentliche jüdische Meinung in Deutschland und die Gewinnung neuer Anhänger. Bildet Euch nicht ein, daß der Kampf gegen Euch aufgehört hat, daß wir diesen Kampf führen können durch Einkapselung in die Z. V. f. D. Die erste Forderung muß sein das Hineingehen in andere Kreise (dazu brauchen wir nicht das Präsidium) und dort müssen wir einen dauernden Kampf um die Anerkennung des Zionismus führen. Daß heute in der jüdischen Oeffentlichkeit Deutschlands überhaupt schon eine ganz andere 57