Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Kartelltagspräsidium: Lichtheim, Blumenfeld, Herlitz und John Levy. Kartelltagsbüro: Lewin, Berliner, Grünbaum, Tausk, Jakobsohn. Mandatsprüfungskommissiom: Loewenberg, Tumbowsky, Bloch, Steinitz. Antragskommission: Ludwig Mayer, Schnurmacher, Sommerfeld, Förder, Lewy, Moses, Schnell. v Um den Erstchargierten eine Besprechung unter Leitung von Hans Anton Wolff zu ermöglichen, wird eine besondere Mittagspause eingelegt. Es wird festgestellt, daß im Saale, mit Ausnahme von Dr. Mechner vom N.-F.. nur Bundesbrüder vertreten sind. An A. H. Löwe wird zur Hochzeit seiner Tochter ein Glückwunschschreiben gerichtet. . j ■ . i Anschließend erstattet den Rechenschaftsbericht des Präsidiums Kurt Tuchler: Zionismus istAenderungswille, der Wille, nicht nur Einzelheiten zu verbessern, sondern die Grundlagen der jüdischen Gesamtexistenz zu ändern. Dieser Aenderungswille entspringt der tiefen Unzufriedenheit mit der Situation des jüdischen Volkes, der Unzufriedenheit zugleich mit der inneren Situation aller einzelnen, die sich dem jüdischen Volk noch zugehörig fühlen. So betrachtet, kann es zufriedene Zionisten überhaupt nicht geben. Der Begriff des zufriedenen Zionisten ist ein Widerspruch in sich, und die Behauptung, daß jemand als Z i o n i s t zufrieden sei, mit der schwerste Vorwurf, der diesem gemacht werden kann. In einem Bund, wie dem K. J. V., in dem nicht nur sichtbare Leistungen erstrebt werden, in dem vielmehr vor allem junge Menschen innerlich beeinflußt und gewandelt werden sollen, in .einem solchen Bund, der sich das schwierige Ziel der Erziehung von Erwachsenen gesetzt hat, müssen naturgemäß Anforderungen und Erfolge in einem ewigen und starken Mißverhältnis zueinander stehen. Denn mit dem jeweils Erreichten wachsen die Anforderungenv Es gibt in Fragen der Erziehung von Erwachsenen keine Erreichung eines „Klassenzieles", bei dem eine Beruhigung eintreten könnte. In jenem allgemeinen zionistischen Sinne und in diesem besonderen der Erziehungsaufgabe des Kartells ist der Kreis des Präsidiums, in dessen Namen ich heute über das letzte Kartelljahr berichten will, von einer ehrlichen und tiefgehenden Unzufriedenheit erfüllt. Wir wissen, daß wir mit unzulänglichen Kräften einer großen Sache dienen, die nicht geringere, sondern ständig wachsende Anforderungen an uns stellt. Wenn ich diese Bemerkung vorausschicke, so deshalb, weil uns in letzter Zeit immer wieder entgegengehalten wird, daß wir einem selbstzufriedenen zionistischen Spießertum Vorschub leisten. Liebe Bundesbrüder, es gibt allerdings einen Unterschied zwischen einer Unzufriedenheit, die zum Prinzip erhoben wird und die so weit geht, daß sie auch mit dem Beginn jeder Realisierung unzufrieden ist und schließlich zu einem immer erneuten Aendern um des Aenderns, nicht um des Zieles willen kommt, und jener Grundeinstellung, die, ausgehend 18