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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 81)
Language
German
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Tretet dem „Verband Jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland" bei! Am 2. Juli 1929 ist der Verband Jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland E. V. gegründet worden. An der Gründung nahmen Angehörige fast aller Gesinnungsrichtungen der Juden in Deutschland teil. Die Not des jüdischen Mittelstandes in Deutschland ist größer, als sie es jemals war. Ihr zu begegnen, müssen neue Wege gegangen werden. Die soziale Struktur dieser Zeit hat auch den Mittelstand von der Fürsorge fort- und zur organisierten Selbsthilfe hingewiesen. Die soziale Lage der Juden in Deutschland unterscheidet sich von der allgemeinen Lage des deutschen Mittelstandes deutlich. Ihre Zurückdrängung, teilweise fast völlige Entfernung aus allen Berufszweigen mit festbesoldeten Stellungen ist in verhängnisvoller Weise offenkundig geworden. Während der Wiederaufbau des Mittelstandes in Deutschland sich in der Industrie vollzieht, während dort praktisch unbegrenzte Mengen von Technikern und Chemikern absorbiert werden, sieht sich der Jude nach dem Studium oder nach Verlust einer Stellung vor verschlossene Türen gestellt. Als einzelner ist er ohnmächtig und dem Spiel des Zufalls ausgesetzt. Es gilt, bewußt gegen die Verelendung zu kämpfen. Die Angehörigen der technischen und naturwissenschaftlichen Berufe, die besonders stark zu leiden haben, haben den Kampf aufgenommen. Der Verband unternimmt es, systematisch Arbeitsmöglichkeiten für seine Mitglieder aufzuschließen. Durchdrungen von der Ueberzeugung der nicht minderen Berufsqualitäten jüdischer Ingenieure und Naturwissenschaftler will es sich durch Zielbewußtheit und Einmütigkeit das moralische Gewicht geben, ihnen freie Bahn zu einem Platz an der Sonne zu erkämpfen. Zu seinen Aufgaben gehört es, mit dem Nachdruck des berechtigtem Existenzkampfes Arbeitgeber, und nicht zuletzt jüdische, zum Einstellen seiner Mitglieder zu veranlassen. Er soll Stellen nachweisen, Berufsberatung unter jüdischen Studierenden betreiben, seine Mitglieder in Fachgruppen fachlich-wissenschaftlich anregen und fortbilden, Material über die Lage der Juden in den einschlägigen Berufen sammeln und die Oeffentlichkeit darüber aufklären. Politische Ziele sind ihm fern; jedes Mitglied gehört dem Verbände als Einzelpersönlichkeit an und vertritt keinerlei Gesinnungsrichtung. Seine Stärke soll darin liegen, die Juden in Deutschland ganz zu umfassen, denn Einigkeit macht stark. Der Verband hat seine Arbeit bereits mit Erfolg aufgenommen. Auf seine Veranlassung und unter Mitarbeit seiner Mitglieder wurde im Rahmen des Jüdischen Arbeitsamtes, Berlin N 24, Auguststr. 17 (des offiziellen Arbeitsamtes der Jüdischen Gemeinde, Berlin) eine Stellenvermittlung für Ingenieure eingerichtet. 81

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