Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537812-3537813--7429-3545471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Keren Hajessod~Arheit im letzten Kartelljähr. Bericht der Keren Hajessod- Kommission des K.J.V. Wir sind mit dem Ergebnis unserer-Arbeit nicht zufrieden. Wir haben uns mit 175 Bbr., die entweder noch niemals K. H.-Beiträge gezahlt haben oder seit Jahren ihre Pflicht dem K. H. gegenüber nicht oder zu gering erfüllt haben, in Verbindung gesetzt. Bei 75 Bbr. ist es uns gelungen, Zeichnungen zu bekommen. Mit nur wenigen waren wir zufrieden, bei den meisten dieser Zeichnungen hatten wir das Gefühl, daß sie viel zu niedrig bemessen waren. Wir haben sie angenommen, weil wir glaubten, daß die Erfüllung der Maasserpflicht eine Frage der Erziehung ist, und daß es im nächsten Jahr gelingen wird, höhere Beträge, die der Maasserordnung entsprechen, zu bekommen. Diese Zeichnungen sind auch nicht voll eingegangen. Von den Bbr., die keine Zeichnungen abgegeben haben, ist nur ein Teil genügend entschuldigt. Bei vielen erschien uns die Entschuldigung als sehr zweifelhaft. Diese Arbeit war sehr mühselig und bedeutet eine Korrespondenz von ca. 600 Briefen, abgesehen von den Besprechungen, die wir mit Berliner Bbr. mündlich hatten. Besonders schwer war die Arbeit in der Provinz, da wir bis auf Breslau und Oppeln kaum Unterstützung bei Bbr. als Vertrauensleuten fanden. Bei den Versuchen, Vertrauensleute zu finden, wurde unsere Arbeit zwar immer freudig begrüßt, dann aber bekamen wir nur Absagen, da die Arbeit für K. H. sehr unpopulär ist und die Bbr. erklärten, sie wollen diese Arbeit, die sie mit allen Bbr. verfeinden würde, nicht übernehmen. Wie unangenehm diese Arbeit für die Kommission war und wie gering das Verständnis der K. J. V.er für diese Arbeit ist, geht daraus hervor, daß wir meistens auf die ersten zwei Briefe gar keine Antwort bekamen, und erst auf den dritten etwas schärfer gehaltenen Brief einer Antwort gewürdigt wurden, die in vielen Fällen verletzend war. Unsere säumigen Bbr. glauben noch immer, daß es möglich ist, den K. H. zu bagatellisieren und uns damit abzuspeisen, daß sie uns auf den dritten Brief schneidig antworten, sie wüßten als K. J. V.er und Zionisten allein, was sie zu tun hätten (nachdem sie jahrelang bei gutem bürgerlichem Leben nichts für K. H. gezahlt haben). In einigen Fällen sind Bbr. aus dem Kartell ausgetreten, einige Ehrenräte schweben noch. Die ganze Arbeit ist nur dann weiter durchzuführen, wenn das Präsidium sich sehr dafür einsetzt und die Kommission in jeder Weise unterstützt. Die Maasserordnung ist so niedrig, daß es jedem Bbr. möglich ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Der Kartelltag muß jetzt nach diesem Jahr des Versuches nochmals entscheiden, ob das Kartell ernstlich die K. H.-Verpflichtung aller Bbr. durchführen will, und ob es möglich ist, daß viele Bbr. mit allgemeinen Entschuldigungen sich der K. H.-Verpflichtung entziehen und trotzdem Mitglieder des Kartells bleiben. Wir werden dem Kartelltag genauen Bericht erstatten. Man muß sich entscheiden, entweder die Maasserzahlung als Grundlage der Zugehörigkeit zum Kartell ganz abzuschaffen oder die strikte Erfüllung dieses zionistischen Grundprinzips durchzusetzen. Ein Mittelding ist auf die Dauer unmöglich. gez. Czapski, Nathan, Moses. 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.