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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Am Scheidewege. Von Hubert Pollack (Sport-V. J. St., i. B.) Alfrieuzionismus. „Die Juden, welche wollen, werden ihren Staat haben, ünd sie werden ihn verdienen." (Herzl.) Seit einigen Jahren kommt die Forderung nach „Erneuerung der zionistischen Ideologie" nicht mehr zum Verstummen. Was damit gemeint ist, wurde nicht immer recht deutlich, bis schließlich Einzelne, neuerdings ein Bund, der Brith Schalom, eine Interpretation jener Formel gaben: Aenderung der zionistischen Zielsetzung. Palästina könne bei den vorhandenen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen niemals ein Judenstaat werden; Ziel des Zionismus könne daher nur ein binationales Gemeinwesen sein, in welchem Juden und Araber gemeinsam als gleichberechtigte Staatsnationen lebten, gleichviel, ob — wie zu erwarten sei — die Araber oder ob die Juden die Bevölkerungsmajorität bildeten. Diese Auffassung stieß innerhalb der Zionistischen Organisation auf schärfsten Widerspruch. Es entspann sich eine Judenstaatsdebatte, die zu einer fühlbaren Verschärfung der innerzionistischen Gegensätze führte. Man' hat diese Debatte deshalb gescholten. Mit Unrecht, scheint mir. Sie war notwendig. Denn wenn eine politische Bewegung jahrelang immer nur Mißerfolge erlebt, wennes ihren Gegnern gelingt, sie immer weiter von den ursprünglich ins Auge gefaßten Zielen abzudrängen, dannmuß nicht nur eine Ueberprüfung der Methoden, sondern auch der Zielsetzung erfolgen. Die Judenstaatsdebatte war darum unvermeidlich. Und wenn die zionistische Oeffentlichkeit imstande ist, aus ihr etwas zu lernen, dann war sie sogar ein Erfolg, mag sie auch zuweilen in unerfreulichen Formen geführt worden, mag sie auch in ihren außenpolitischen Wirkungen taktisch nicht immer unbedenklich gewesen sein. Lernen kann man aber aus dieser Debatte nur dann etwas, wenn man die beiden gegeneinanderstehenden Meinungen zu Ende denkt. Unterstellen wir einmal die politische Prognose der Binationalisten als richtig; nehmen wir an, der Judenstaat in Palästina sei nicht zu verwirklichen. Dagegen sei ein durchaus befriedigendes Zusammenleben einer nicht allzu großen arabischen Majorität mit einigen hunderttausend Juden in einem unabhängigen, demokratisch regierten Gemeinwesen erreicht. Was würde das für die Lösung der Judenfrage bedeuten? Es gibt doch eine Judenfrage, und sie wird mit jedem Tag brennender. Wer den Gang der Weltwirtschaft betrachtet, der sieht, wie heute 15 Millionen Galuthjuden langsam aber sicher von der Wirtschaftsentwicklung zermahlen werden, mögen sie nun im kapitalistischen Europa und Amerika oder im sozialistischen Rußland wohnen. Sie sind wirtschaftliche Zwischenschichtler, für die der fortschreitende Rationalisierungs- und Mechanisierungsprozeß der Weltwirtschaft keinen Raum mehr läßt. Ihr Existenzkampf wird täglich schwerer und hoffnungsloser. In den höchstkapitalistischen Ländern Mittei- und Westeuropas zeitigt der wirtschaftliche bereits den biologischen Verfall. Die jüdische Bevölkerungsziffer sinkt absolut. Die Juden sterben aus. Aber dieser Prozeß geht nicht schnell und schmerzlos vor sich. Er dauert schon 2 11

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