Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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dann das Maximum des Möglichen an freudiger Mitarbeit und willensmäßiger Bezwingung der Realität zu erreichen. Diese Denkweise bedeutet nicht nur einen ideologischen Gegensatz zu anderen Richtungen, sondern ist von eminent praktischer Bedeutung für alle zionistische Arbeit innerhalb und außerhalb des K. J. V. Es ist mein stärkster Wunsch bei der Niederlegung meines Amtes, daß das Kartell sich weiter im Sinne der hier angedeuteten erzieherischen Auffassung entwickeln möge. Dabei sei zugleich davor gewarnt, etwaige Gegensätze der Auffassung dialektisch zu überspitzen und unsinnige Kontroversen zwischen „Beruhigungstherapie" einerseits und „Spannung der Unzufriedenheit" andererseits zu schaffen. Wir wissen, daß dieselben Menschen auf Grund ihrer intellektuellen Schulung imstande sind, diesen oder jenen Gedankengang darzustellen und als den allein seligmachenden zu erklären. Die Erziehung unserer Bundesbrüder zu selbständigem Denken sollte darin gipfeln, das nützliche Spiel der Dialektik, der programmatischen Formulierungen nicht zu überschätzen und mehr Gewicht auf die Resultate der Arbeit und den Charakter der diese Arbeit tragenden Personen zu legen. Der K. J. V.er sei ein Mann der mutigen Erkenntnis und der entschlossenen Tat. Um Zionismus in Europa zu erleben, zu gestalten, für sich und die Umwelt fruchtbar zu machen, ist ein Gemisch von Entschiedenheit und Entsagung, Mut und Vorsicht, unbedingtem Glauben und besonnener Erkenntnis realer Umstände erforderlich. Man muß an Abgründen entlang gehen können, um auf den Gipfel zu gelangen. Wir nennen dies in unserem Programm: Erziehung zur Männlichkeit. Hiermit verbindet sich uns die Erkenntnis, daß das K. J. V. keine Jugendbewegung im deutschen Sinne des Wortes ist. Es mag Elemente in der deutschen Jugendbewegung geben, die auch für das Leben des Kartells nutzbar gemacht werden können, doch wird sich herausstellen (oder hat sich schon herausgestellt), daß es sich dabei mehr um Formen als um Inhalte handelt. Schon jetzt hat die Kritik von den Formen dieser Jugendbewegung in Deutschland nicht mehr viel übrig gelassen, und bald wird diese ganze „Jugendbewegtheit" so antiquiert erscheinen, wie das alte Couleurstudententum, das wir vor 30 Jahren übernahmen und für unsere Zwecke mindestens ebenso nutzbar machten, wie dies später mit den Formen der neudeutschen Jugendbewegung geschah. In der vielgenannten Formenfrage haban wir bisher keinen Ausweg aus unseren Schwierigkeiten gefunden. Wir glauben, daß gerade hier eine Lösung nur von den jüngsten Generationen her kommen kann, die aus ihrem Empfinden heraus neue Wege suchen müssen und dabei vielleicht erkennen werden, daß manche alte Form sich auch noch jetzt ganz gut verwenden läßt, wenn man sie ohne allzuviel Grübeln und Bedenken benutzt. Jedenfalls kann dem K. J. V.er die Formenfrage niemals von entscheidender Bedeutung sein und insbesondere darf er .sich nicht in dem Netz irgendeiner Jugendbewegung verfangen, die aus der Jugendlichkeit ein Prinzip macht und mit ihren nur für Jugendliche möglichen Formen eine neue Welt zu schaffen wähnt. Wir sind in der glücklichen Lage, ein Ziel zu haben, das alle Kräfte und Fähigkeiten, allen Ehrgeiz und allen Idealismus 2 9