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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Kurzer Rückblick. Von Richard Lichtheim. Nach zweijähriger Tätigkeit an der Spitze des K. J. V. habe ich meinen Freunden und Kollegen im Präsidium erklärt, daß ich eine Wiederwahl nicht annehmen könne und habe mit ihnen die Frage der Neuordnung des Präsidiums beraten. Der Vorschlag, den das Präsidium im Sinne des Kartellstatuts dem Kartelltag unterbreiten wird, ist formuliert und allen Bundesbrüdern bekannt. Wenn der Kartelltag die Tätigkeit und die Auffassungen des Präsidiums billigt, welches in den letzten zwei Jahren das Kartell geführt hat, so wird er bei der Neuwahl des Präsidiums entsprechend dem Vorschlag des abtretenden Präsidiums handeln. . Da ich selbst an der Arbeit der künftigen Kartell-Leitung keinen unmittelbaren Anteil mehr nehmen werde, so kann ich heute in voller Freiheit und Gelassenheit auf die verflossenen beiden Jahre zurückblicken, und das Kartell darf von mir erwarten, daß ich auch zu einigen Dingen meine Meinung ausspreche, die für die künftige Leitung des K. J. V. von Bedeutung sein werden. v Im großen und ganzen darf das Präsidium wohl mit den Ergebnissen seiner zweijährigen Arbeit zufrieden sein. Wir übernahmen die Leitung des Kartells in einem Augenblick völliger Verwirrung und Zerrüttung. In allen Korporationen herrschte größte Unzufriedenheit. Die Altherrenschaft stand ganz überwiegend verdrossen beiseite. Von einer Präsidialarbeit war überhaupt nichts zu bemerken. Der ,,J. St." erschien nicht. Ein Zusammenhang mit Palästina war nicht vorhanden. Die Finanzen waren zerrüttet. Wenn das Kartell sich in diesen zwei Jahren «von dem geschilderten Zustand fast vollständig erholt hat, so darf das Präsidium wohl für sich in Anspruch nehmen, der entscheidende Faktor in dieser Neuformung und Aufwärtsentwicklung des Kartells gewesen zu sein. Diesen Erfolg verdanken wir nicht irgendwelchen geheimnisvollen Kräften oder Eingebungen, sondern einfach der Tatsache, daß sich in dem Präsidium eine Anzahl älterer und jüngerer Bundesbrüder zusammengefunden haben, die die^Fähigkeit besaßen, mit gesundem Menschenverstand und offenem Blick zu erkennen, was die unmittelbaren Aufgaben des K. J. V. sind, und sich diesen Aufgaben tatkräftig zuzuwenden. Dabei versteht es sich, daß vieles immer noch zu tun bleibt, manche Aufgabe schlecht oder gar nicht gelöst und die Problematik unseres Daseins keineswegs durch einen Geniestreich aus der Welt geschafft worden ist. Hingegen half uns viel die Erkenntnis, die wir — nicht immer mit Erfolg — auch den jüngeren Generationen zu übermitteln suchten, daß die besonderen Schwierigkeiten unseres Lebens, die tragischen Konflikte des deutschen Zionisten, keineswegs durch dialektische Verschleierung oder schäumende Rhetorik zu beseitigen sind, sondern am ehesten gemildert und sogar fruchtbar gemacht werden können durch eine bewußte Erziehung zu männlich ernster Betrachtung, die die Grenzen und Unzulänglichkeiten unseres Daseins klar erfaßt — nicht um zu resignieren, sondern gerade um 8

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