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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Fragen der Kartellwirklichkeit. A. Das junge Kartell. Von J u s t u s S c h 1 o ß (V. J. St. Kadimah, Berlin, A. H.). Doch wenn er keinen Hintern hat, Wie soll der Edle sitzen? Goethe. I. Wäre das K. J.V. nichts anderes als eine politische Zweck- und Erziehungsgemeinschaft ohne innere Hemmungen und äußere Widerstände, dann wäre unsere Aufgabe verhältnismäßig einfach: die Gegensätze innerhalb des Kartells könnten immer nur solche der zionistischen Methode sein, niemals aber so groß oder so grundsätzlich werden, daß davon 'eine Lahmlegung unserer Energien befürchtet werden müßte. So einfach liegen nun aber die Dinge bei uns keineswegs. Nicht etwa, daß irgend; jemand unter uns wissentlich und absichtlich die zionistische Zielsetzung in Frage zu stellen wagte. Es ist auch durchaus nicht so, daß man im heutigen Kartell auf die Idee zu kommen das Recht hätte, es könnte sich an der zionistischen Zielsetzung in einem späteren Zeitpunkte einmal etwas ändern. Das Kartell ist in dieser Beziehung durchaus intakt, und es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß es einmal anders sein könnte. Diese Selbstverständlichkeit der zionistischen Zielsetzung hat aber ihre Schattenseiten. Denn als Kartell vernachlässigen wir darüber die Alltäglichkeiten der praktischen Existenz unserer Menschen, die nun einmal den Ausgangspunkt für die Verwirklichung unserer politischen Zielsetzung bildet. Man kann es bedauern, daß die Intensität unserer zionistischen Bemühungen durch ideenfremde Einflüsse gestört wird — aber die Tatsache als solche besteht und kann nur durch Erkenntnis überwunden werden. Wäre unsere Vernachlässigung aller derjenigen Dinge, die unser tägliches Leben und das Fortkommen im Beruf ausmachen, Ausdruck einer zionistischen Ekstase, die den einzelnen so erfüllt, daß daneben für andere, auch die handgreiflichsten Interessen, kein Platz wäre, dann könnte man sehr zufrieden sein. Aber es ist nicht so. Wenn wir — wenigstens bisher — die praktischen Alltagsinteressen unserer Menschen vernachlässigt haben, so ist dies nicht ein Zeichen von bewußter Stärke, sondern von uneingestandener Schwäche. Wir haben einfach nicht jenes Maß von Vertrauen in uns selbst, daß wir es wagen zu können glaubten, neben die zionistische Zielsetzung, die den Sinn des Kartells ausmacht, die eminent praktische der beruflichen Förderung und des geselligen Lebens zu setzen, die die Erreichung des immanenten Zieles erleichtern könnte. Wir haben uns nicht stark genug gefühlt, Nebenziele als Mittel zu proklamieren aus Furcht, wir könnten uns an diese Nebenziele verlieren. Fangen wir einmal an — so ungefähr mag man es empfunden haben — Dinge für wichtig zu halten, die mit der zionistischen Zielsetzung in keinem unmittelbar überzeugenden Zusammenhang stehen, dann verstricken wir uns — ob wir wollen oder nicht — von neuem in unsere augenblickliche Umwelt, wo doch alle unsere seelischen und ge- 4

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