Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionistische Konzentration. Von Kurt Blumenfeld. Im „Haarez" vom 4. Juni bespricht der Redakteur Dr. M. Glücksohn das Programm der Allgemeinen Zionisten in Deutschland. Er sagt: „Die Zionistische Vereinigung" für Deutschland, die zum größten Teil eine Organisation allgemeiner Zionisten darstellt, hat immer Verantwortungsgefühl, praktische Fähigkeiten und Verständnis für die großen Probleme des Zionismus bewiesen. Der Allgemeine Zionismus verdankt seine Bedeutung auf den Kongressen in der Hauptsache den deutschen Zionisten und das in der „Jüdischen Rundschau" veröffentlichte Programm der Allgemeinen Zionisten sei daher auch von allgemeiner interterritorialer Bedeutung**. Dieses Urteil ist nicht übertrieben. Seine Richtigkeit sollten im gegenwärtigen Augenblick alle Zionisten nachprüfen. Wir waren die Vorkämpfer der sogenannten Agency-Politik. Unsere zionistischen Widersacher haben bis vor wenigen Monaten geleugnet, daß die Erweiterung der Jewish Agency jemals zur Tatsache werden könne. Ihre politische Prognose hat sich als falsch erwiesen. Die Zionistische Exekutive hat am 10. Juni den Council der erweiterten Jewish Agency für Sonntag, den 11. August 1929, nach Zürich zur ersten Sitzung einberufen. Unser Programm stand mehr als fünf Jahre zur Diskussion. In diesen Jahren wurde unsere Politik mit großer Leidenschaft und mit allen Mitteln bekämpft. Ein Vorschlag, wie ohne Erweiterung der Jewish Agency die Verwirklichung des Basler Programms herbeigeführt werden könne, ist jedoch von keiner Seite gemacht worden. Man sprach von den Gefahren der Agency-Politik, auf die Frage aber, was denn nach einem Scheitern dieser Politik zu geschehen habe, gab es immer nur die unverantwortliche Antwort, daß der angeblich bessere Weg nach so vielen Jahren Agency- Politik nicht mehr gangbar sei. In diesen Jahren hat man dem Schicksal der Zionistischen Organisation ungünstigste Prognosen gestellt. Mit sadistischer Freude wollte man die Unmöglichkeit der Weiterexistenz der Zionistischen Organisation zu beweisen versuchen. Die Jugend versuchte man zu überzeugen, daß die zionistischen Anhänger der Erweiterung der Jewish Agency nationalen Verrat betreiben und die echten Ideale des Zionismus für schnödes Geld verkaufen. Und was wird jetzt geschehen? Alle Unheilspropheten werden weiter in der von ihnen totgesagten Zionistischen Organisation verbleiben und versuchen, sich in ihr durch ein Jonglierkunststück den moralisch besten Piatz zu sichern. Man gibt den Kampf gegen die Agency auf, macht mit, empfiehlt sich gleichzeitig als das allein politisch zuverlässige Element im Zionismus und möchte diejenigen, die trotz aller Schwierigkeiten in mühevoller Arbeit die von niemanden mehr bezweifelte Entscheidung des nächsten Kongresses herbeigeführt haben, als unzuverlässige Zionisten hinstellen. Der Augenblick ist gekommen, in dem man die Wertlosigkeit dieser Art von Fraktionsspielerei im Galuth besonders leicht zu durchsuchen vermag. Der Differenzierungsprozeß der Zionistischen Organisation war kein Zeichen der Stärke. Er entstand, weil unser Werk lange dauert und weil es für Zionisten im Galuth noch schwerer ist als für Juden in Palästina, den 4