Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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große Menge zionistischer Vereine jeder Art und sogar eine Anzahl Nichtzionisten, die Palästina bejahen. Wenn das der ganze Sinn des Kartells wäre, so wäre es zwecklos, in ihm weiter zu arbeiten, und dazu dieser Aufwand von Menschen und Kräften? — Es liegt eine ungeheure Gefahr darin, in der gegenwärtigen Notlage, in der sich der Zionismus befindet, die Berechtigung einer Umgestaltung des zionistischen Zieles seilen zu wollen. «- Man kann wohl zur Erkenntnis gelangen, daß der Weg, die Mittel zum Ziele zu ändern sind, doch das Ziel selbst muß stets PalästinaverwirklichimgJ für den einzelnen K. J. V.er bleiben. Vergißt man denn auch, daß diejenigen der zionistischen Menschen, die die große schwere Galutharbcit seit Jahreis leisten — eben die, die ja die Idealvorstellung des „unbedingt zuverlässigen" Zionisten eigentlich verkörpern —, sie in Wirklichkeit nur deswegen, ja gerade deshalb nur leisten konnten, weil sie in dauernder Verbindung, in dauernder Berührung mit Palästina waren, so immer wieder neue Impulse zu ihrer Arbeit erhielten, neuen Glauben an den Erfolg ihrer Idee gewannen. Die logische Anerkennung des Zionismus vermag wohl eine kurze Zeit Menschen zur zionistischen Arbeit zu bringen; doch im Laufe der Zeit müssen sie unaufhaltsam die Kraft ihres Wollens verlieren. Ein Zionismus, der der Hoffnung auf seine Verwirklichung auf die Erreichung seines Zieles beraubt ist, ist von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt. Was aber soll die Kraft und die Hoffnung einer Bewegung sein, deren jüngste zur Leistung fähigste Menschen schon gleich im Anfang auf die Möglichkeit, auf das Wollen einer persönlichen Palästinaverwirklichung verzichten? Wie soll die Kraft und Fähigkeit zur zionistischen Arbeit entstehen, wenn man den Sinn, das Ziel dieser Arbeit hinwegnimmt? Wenn aber die Menschen des Kartells Zionisten, Träger der schweren Arbeit, die zur Renaissance des jüdischen Volkes führen soll, sein wollen, müssen sie die dauernde Hoffnung auf ihre persönliche Palästinaverwirklichung haben. Sie allein kann der tiefste Sinn ihres ganzen Einsatzes für das Kartell sein. — Gewiß, die Krise des Zionismus besteht in ihrer Realität heute noch; doch viele der jungen Menschen des Kartells haben sie in sich längst überwunden. Sie fürchten nicht mehr die Wirklichkeit; sie sehen die Schwierigkeiten, die Nöte des Palästinaaiifbaues, aber sie wollen nicht, daß die jungen Zionisten wie Kranke behandelt werden, denen man den Stand ihres Leidens verheimlichen will, denen man Beschäftigung, Ablenkung, Beruhigung gibt, damit sie ja nur nicht die Gefahr ihres Lebens erkennen; sie haben genug von allen diesen Krisenworten, sie sehen die Dinge ernst und ruhig, frei von entrückter Begeisterung und sie sagen: trotzdem! Wir verzichten nicht auf unsere Palästinaverwirklichung. Vielleicht können wir es doch erkämpfen! — Und darum die ganze Arbeit, darum Hebräisch, darum die Gemeinschaft des Kartells. - Am klarsten aber wird die Unmöglichkeit der Anschauung des ^unbedingt zuverlässigen" Zionisten bei ihrer Anwendung auf die Erziehungs- . arbeit des Kartells. Das Kartell will junge Menschen erziehen, sie in starkem Maße erfassen. Um junge Menschen gewinnen, bilden und formen zu können, gehört aber neben pädagogischem und psychologischem Können eine machtvoll wirkende, umfassende Idee. Diese Idee kann aber nie des zionistischen Gallith- 24