Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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gen sie der zionistischen Arbeit ganz verloren, teilweise sogar ans dem Gefühle der Unkonsequenz und ü;;erfüllbarkeit ihrer monistischen Lebensauffassung. —- Die Folge davon ist ja heute in der Tat iie, daß die zionistische Arbeit in Deutschland schon seit langer Zeit von demselben alten Menschen des Kartells gemacht wird, während die jungen Menschen den Weg dorthin nicht gefunden haben, nicht finden konnten. In den. Vordergrund der Aufgaben des Kartells tritt also jetzt die praktische, taghelle, zionistische Tagesarbeit der Gallith, d. h. für den Einzelnen neben der schon vorher gestellten Anforderung der zionistischen Durchbildung, Fühlungnahme mit den außerhalb des Kartells stehenden Ziontsten und vor allem :rher intensiveres Lernen von Hebräisch; für das öesamtkartell Uebernahma von Arbeiten in der Ortsgruppe, Organisation, Nationalfonds, Keren Hajjessod, Gemeinde, jüdischen Verbänden jeder Art, d. h. von allem, was dazu dienen kann, die Kontinuität der Bewegung in der Gallith zu sichern. Die Vorbereitung und Uebernahnie dieser Arbeit wird der Inhalt der VerÄdungsarbeit. Und die Realität dieser Forderungen war es ja auch letzten Endes, die dem neuen Präsidium den Weg geebnet hat, und ihm die Möglehkeit gegeben hat, die Reorganisation des Kartells durchzuführen. An diesem Punkte der Entwicklung des Karteis, an dieser Stelle der ideologischen und praktischen Umstellung des Kartdls jedoch ist eine Auseinandersetzung notwendig, die für die Entwicklung des Kartells von fundamentalster Bedeutung ist. — Nämlich die Ausekoandersetzung über das Ziel der Kartellarbeit, das ja von größter Einwirkang auf den Weg des. Kartells u^d seiner Zukunft sein wird. Hier stehen sich trotz gemeinsamer Anerkennung der gegenwärtigen, zionistischen 'Wirklichkeit zwei Meinungen hart und unvereinbar gegenüber. Die — wenn man sie so nennen darf — des „uisbedingt zuverlässigen" Zionisten und die des „Palästtnazionisten". (Es soll aber hierbei keine Wertung einsetzen, denn beide sind in der Wirklichkeit möglich, ob für das Kartell, das ist allerdings die hier zu entscheidende Frage.) Die Erziehung zum „unbedingt zuverlässigen" Zionisten bedeutet folgendes: Auf Grund der Tatsachen des schwierigem, langsamen Palästinaaufbaues, die es dem deutschen Zionisten unmöglich machen, nach Palästina zu gehen, die ihn von einer Krise in die andere stürzen, kann für den einzelnen der Gedanke, selbst nach Palästina zu gehen, eigentlich fallen gelassen werden; statt dessen muß er sich in dem schon oben aufgeführten Sinne allein auf die Gaiutharbeit einstellen, um sie gut und erfolgreich durchführen zu können. Das Ziel des Gesamtkartells ist mnter diesen Umständen nicht Palästina, sein Grundgedanke nicht der Paläsüinagedanke, sondern der Schutz und die Sicherung seiner Menschen vor Krisen, die ihn vom Zionismus entfernen könnten — und durch die G csamterdehung zur umfassenden Galniharbeif, zur Mitarbeit in den Zionistischen Organisationen und Instituten —: der „unbedingt zuverlässige" Zioni>t. Was bedeutet dieses Programm? Es bedeutet, Mar und einfach gesagt, den Untergang des Kartells. Um einen Mensch.cn zu erziehen, der jüdische Arbeit leistet in Organisationen, Gemeinde oder sonstwo, der Hebräisch lernt und für den Palästinaaufbau ein tritt, braucht mau hein Kartell: das tun heute ebenso gut eine