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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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gezogen sind, materiell und später mehr und mehr;Hccll hinwegzuhelfen." Das religiöse Bewußtsein erwacht und entwickelt skh, wie das menschliche Bewußtsein überhaupt, an den Hemmungen, die dem Leben bereitet werden, an den Schranken, die sich der Wilienshefriedgung entgegenstellen. Die Personifikation der Mächte, von denen die Hemmingen ausgehen, ist, wie auch Freud zugibt, der dem primitiven Menschen einzig mögliche Weg. Wenn er aber, in Uebereinstimmung mit seinen psychoanalytischen Theorien, die religiöse Vorstellung vom Vater-Sohn-Vcrhältnis gleich an den Anfang der religiösen Entwicklung stellt und sogar zum iiibewußten Motiv der Personifikation erhebt, so ist das ganz sicher ein-Irrtun. Die Hemmungen können naturgemäß zunächst nur ausschließlich als feindlich empfunden werden und dementsprechend ist der Glaube au böse Geister auch als ursprünglicher zu betrachten; als der an gute. Der Gkube an gute Geister und wohlwollende Götter ist erst sekundär und entstdit in dem zur Beobachtung der Außenwelt nun schon erwachten Bewußtseh aus der Erfahrung, daß von den ihm gegenüberstehenden Gewalten auch ihm heilsame, lebenfördernde Wirkungen ausgehen. Diese Wirkungen waien natürlich, wenigstens zum Teil, auch schon früher da, aber das menschlche Bewußtsein war auf ihre Verarbeitung noch nicht vorbereitet, weil dm Normale dem Bedürfnis Entsprechende, wie beim Kinde, zunächst als selbstverständlich hingenommen wird. Erst auf dieser höheren Stufe setzt nach und nach die religiöse Vorstellung vom Vater-Sohn-Verhältnis ein, anfangs noch stark durch andere den menschlichen Verhältnissen entlehmg; Vorstellungen getrübt; erst in einer langen Entwicklung wird sie bk zu jenem idealere, klassischen Ausdruck gesteigert, den sie in der Reliifbn des alten Israel gefunden hat. Je mehr nun aber die Götter als dem Menschen fmmdlich gesinnt und lebenfördernd empfunden werden, desto mehr mußten sie auch die Beschützer aller guten und lebenfördernden Mächte im menschlichen Leben und Zusammenleben selbst werden. Die Religion ethiskrte sich auf diesem Wege immer stärker, gleichzeitig erhöhte sich mit der Läuterung der Gottesvorstelhmg ihre beseligende Kraft, sie tröstete und üiiiob .'den Menschen zuletzt immer mehr über die Schranken der gegebenen irdischen Wirklichkeit und fand so im ethischen und zuletzt messianisiüen Monotheismus Israels ihren im Altertum höchsten Ausdruck. Es hat also hier, wie auf andern Gebieten der Kultur, eine Entwicklung von geihgen Anfängen zu immer bedeutenderer Höhe stattgefunden. Was dies für den'Wahrheitswert der religiösen Vorstellungen bedeutet, davon werden wirih einem folgenden Artikel sprechen. Hier wollen wir nur noch bemerken, ihß mit der scientific sehen Vervollkommnung des Weltbildes, der höher entwickelten Sittlichkeit und der Kraft gewisser ästhetischer, den religiösen verwandten Em pfui-» düngen die Religion später gegen ihre religiösen Anfinge ein wesentlich verändertes und gehobenes Bild darbietet. Die höheien Mächte werdet? ziiletzt nicht nur zur Einheit verbunden — das würde an sich nur wenig bedeuten —, sie erlangen auch den Charakter des Erhabenen, des den Menschen mit sich Emportragenden, innerlich Erlösenden und Weihenden, dessen, was einerseits Demut und Hingebung, andererseits Erhebung, Andacht, Ehrfurcht und unbegrenztes Vertrauen weckt De eine heilige G'ott- 9

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