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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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von innen heraus kulturfeindlich gesinnt, in ihrer MehrzaM unzufrieden und schlecht, bei allen sind destruktive und antisoziale Tendenzen vorhanden, Die Massen sind träge und einsichtslos, sie wollen, andi wo es nur auf Kosten ihrer Mitmenschen geschehen kann, auf die Befriedigung ihrer Triebe nicht verzichten. Alle Argumente von der Notwendigkeit des Verzichts prallen ergebnislos an der Gewalt ihrer Triebe und I.ci&nschaflen ab, und sie bestärken einander im Gewährenlassen ihrer Zügdlc-stgkeit. Die für das Bestehen der Kultur notwendige Moral kann sich daher nundurch Zwang behaupten, und dieser Zwang wird einer widerstrebenden Mehrheit von einer Minderheit auferlegt. Nun, ganz so verteufelt schlimm scheint es um die Menschheit denn "doch nicht bestellt zu sein. Denn wie eine widerstrebende Mehrheit von einer Minderheit beherrscht oder gar gezwungen werden kam, wenn trotz des Widerstrebens elementarer Triebe nicht auch solche moralischer Natur und eine gewisse Einsicht mitwirksam sind, ist schwer einzusehen. Gewiß haben die moralischen Triebe/ zumal dem Selbsterhaltungsinatf dem Geschlechts- - trieb gegenüber, oft einen sehr schweren Stand. Abar auch der Durchschnittsmensch liegt nicht, als wäre das radikal Böse seine eigentliche, innerste Natur, gleichsam immer nur auf der Lauer, um im geeigneten Augenblick die sittliche Ordnung zu durchbrechen. Er erkennt oder füMt vielmehr ihre Berechtigung und er erkennt sie an. Und wenn er ihr auch selber'oft genug tnigtgen handelt, eben weil er der Gewalt seiner elementaren Triebe nicht zu widerstehen vermag, wenn andere wider die Moral handeln, so regt sich doch sofort und spontan sein Widerspruch, und esr selbst ist, bis zur völligen Abstumpfung durch Gewöhnung, auch nicht fei von Gewissensbissen. Er empfindet die Moral durchaus als notwendiges Gesetz, als für alle gültige Verpflichtung, und eben darauf, und nicht aanf einem von einer Minderheit ausgehenden unvorstellbaren Zwange beruM die Macht der sogenannten giiiQii Sitte, des herrschenden Moralgesetzes und der staatliche Zwang für die, die diesem Gesetz entgegenhandeln. Die Moral hat. ebenso wie freilich die Unmoral, ihre natürliche Wurzel im Menschen. Nicht nur die egoistischen, auch die altmistischeu, sympathischen Triebe sind ursprünglich im Menschen angelegt. Letztere wurzeln in den höheren, reineren Empfindungen des Liebestriebes — der Liebestrieb ist ein Teufel, aber auch ein Engel — und darin, daß deir Mensch von Natur ein animal sociale ist. Aber eben darum, weil die höheren, edleren Triebe den niederen, elementaren gegenüber oft einen sehr sdkweren Stand haben, darum bedürfen sie dringend der Stütze, und dies in tum so höherem Grade, je höher die Forderungen der edleren Triebe, die zuüetzt Heroismus und Selbstaufopferung verlangen, gehen. Und diese Stütze brauchen die Menschen auch, wo es sicli nur um Forderungen der Irtdüvidualethik handelt, mn Mäßigkeit, T-ügchmg des Geschlechtstriebes, Bekämpfung der eigenen Trägheit, des Leichtsinns, der Verschwendungssucht msw. Aber wenn dies nun auch, wie Freud wenigstens 5a größerem Umfang zugibt, eine Leistung der Religion ist, wenn diese die Moral gestützt, gekräftigt, entwickelt und gesteigert hat, so hat sich die Religion doch nicht von vornherein aus solchem Bedürfnis heraus im Menschen gebildet. Worin liegt ihr Ursprung? Woher stammen jene religiösen Vorstellungen im 7

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