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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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cs ihm in der ersten Zeit so, daß er schlecht versteht, was man zu i'.rii sagt', und daß seine Sprache geschraubt und ausgeklügelt klingt. Denn das Galuthhebräisch hat sehr starke Wurzeln in der Sprache der Mcli/.a und Haskalah. sie ist am Schreibtisch ersonnen und von dort aus gelehrt worden, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen aber keine gesprochene Sprache. Demgegenüber hat das palästinensische Hebräisch eine' ganz selbständige Entwicklung genommen. Der Unterschied besteht nicht darin, daß sie neue Worte und termini technici schuf, sondern daß sie zu emei einfachen, klaren, praktischen und gewandten Sprache des täglichen Lebens wurde. Nun wäre es ganz abwegig zu meinen, man brauchte nicht schon in der Gallith die Sprache zu erlerneu, weil man hier doch nichts, mit ihr anfangen könne. Wer keinerlei hebräische Wortkenntnisse hat, worin ich z. B. auch das Studium unseres klassischen Schrifttums einbeziehe, wird es hier nicht weiter als bis zur Sprache der Kutscher und Straßenhändler bringen. Wer dagegen im Besitz einer gediegenen Kenntnis von Grammatik, Syntax und womöglich Stil des Galuthhebräisch ist, wi;d es im Laufe der Zeit zu einer kultivierteren Sprache bringen. Lediglich eine solche Vorbildung gibt den Maßstab dafür, was man sich in Palästina aneignen darf und was nicht. Denn das palästinensische Hebräisch ist m. E. noch weniger einheitlich als irgendeine europäische Kultursprache. Von der Schriftsprache gibt es viele Abstufungen über die Sprache der Gebildeten bis zum Jargon der Straße. Als vorbildlich kann die Sprache der Presse gelten, d. h. von „Haare*" und mehr noch von „Dawar". Sie ist ungekünstelt und einfach, klar gewandt und modern und genügt dabei den Anforderungen des hebräischen Stils. Eine Sonderstellung nimmt der „Doar Hajom" ein. Wohl unter den* Einfluß von Eiieser ben Jehuda hat er eine Sprache geschaffen, die fast sämtliche Fremdwörter ins Hebräische übersetzt, während dieselben außerhalb seines Bereiches in großer Zahl benutzt werden. Telefon heißt bei ihm: pinvn^"' Radio: DirrVs Das geht noch an. .Viandatsregierung mit'): fi^wiederzugeben, ist schon recht eigentümlich. Aber zu übersetzen: „Stresemann, der deutsche Außenminister''mit: .T:oi^ yi.T^yV TPH übersteigt die Grenzen des Erträglichen. Schon aus diesem sprachlichen Grunde ist die Lektüre des „Doar Hajom'4 unerträglich. Die Schriftsprache ist bisher nicht völlig in den täglichen Gebrauch übergegangen. Wollte man sie dort vollständig anwenden, so würde sie selbst in den Kreisen der Intelligenz bisweilen geziert klingen. Auf der Straße würde sie teilweise überhaupt nicht verstanden werden. Der Schriftsprache am nächsten kommt die Sprache der inte!ii:;ciiz. Sie umfaßt ihren Reichtum an Ah sdrucks formen und d:Herenzicjten Variationen, die es in einem viel weitergehenden Maße heute sc'nun gibt, a!- diejenigen ahmen, die immer v; \: -r über die Armut unserer Sprache klagen, weil sie dieselbe nur unzureichend beherrschen. Bisher konnte ich im allgemeinen feststellen, daß die Betreffenden nicht im entferntesten alle vorhandenen Möglichkeiten der Sprache kannten und auszunutzen verstanden. Mängel hat die Sprache wohl in ihrer heutigen Form. *) d. h. angeste'lte Regierung. 20

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