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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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halten bereits bemerkt, das Substrat des konservativen Denkens ist der unbewegliche Grund und Boden, das Grundeigentum gilt als die Basis der wichtig, sten politischen Rechte, und was die wirtschaftliche Sphäre anbetrifft, so wird die Landwirtschaft als die Basis des ganzen Staatswesens betrachtet und die Konservierung der wirtschaftlichen und politischen Machtstellung der dahinterstehenden Schichten, vor allem des Junkertums gefordert. Die Stellung der konservativen Partei zum Industriekapitalismus ist nicht einheitlich, in einer ersten Periode bis zum Ende der ISTOer Jahre wird das ganze System prinzipiell negiert. 1879 erfolgt durch Bismarck im Interesse der Landwirtschaft der LJebergang zum Schutzzoll. Der Kapitalismus erfährt jetzt nicht mehr die radikale Ablehnung, er wird als ein bedauerliches, aber unabänderliches Kulturphänoinen angesehen. Ein leidenschaftlicher Kampf wird jedoch gegen die 1S70/1SS0 unter national-liberalem Einfluß geschaffenen n^uen, der Geld- und Kapitalherrschaft dienenden Einrichtungen, wie Börse, Reichsbank, Aktiengesellschaften, die den Kapitaiverkehr zu vermitteln haben, geführt. Er wird gleichermaßen gegen die Repräsentanten dieser Institutionen, gegen die Nationalliberalen als die Vertreter des kapitalistischen Bürgertums und gegen die Juden, die hier eine besonders rührige und erfolgreiche Tätigkeit entfalten, geführt. Schon bei Wagener finden sich in dem Vorwort zu seiner Schrift einige Bemerkungen in dieser Minsicht. Er bezeichnet dort die Juden als „die Beherrscher des Kapitals", spricht von dem „Kulminieren der Geldherrschaft in den Händen des den Glauben der Väter verleugnenden Teils des jüdischen Volkes". Jedoch spielt dieser Faktor, wie wir sahen, in seiner Stellung zu den Juden keine Rolle. Erst im Fluß der Entwicklung, mit der durch die kapitalistische Entfaltung bedingten Transformationen des politischen Denkens, insbesondere in den nach 1870 veröffentlichten Schriften, ♦ erlangt er seine ausschlaggebende und ausschließliche Bedeutung. Wir greifen aus der Fülle der Publikationen das sehr charakteristische, 1S74 erschienene Pamphlet von Constantin Frantz „Der Nationalliberalismus und die Judenherrschaft" heraus. Von konservativer Seite erfolgt hier eine Bekämpfung des Liberalismus, weil es nichts anderes als „die Prinzipien de; Nationalliberalismus sind, welche die Judenherrschaft zur unabweisbaren Folge haben". Nachdem durch die liberalen Ideen die Emanzipation ermöglicht wurde, vollendet „das liberale Oekonomiesystem" die Judenherrschaft. „Da dieses System tatsächlich zur Geldherrschaft führt, ist begreiflich genug, wie das geldmächtige und in alle kapitalistische Unternehmungen von Haus aus gewandte Judenthum dadurch auch eine viel einflußreichere Stellung gewinnen mußte." Die finanzielle Seite der Judenherrschaft „als ihre reale Basis in den Vordergrund zu stellen". „Unter Juden werden alle diejenigen verstanden, welche, anstatt selbst irgendwelche Güter zu produzieren, vielmehr durch ihre Spekulation die Produktion nur ausbeuten und so statt produ k t i v e r bloß lukrativ e Geschähe betreiben." Gegen die Börse und die Presse, als die beiden Hauptmachtmittel der Juden, richtet sich iii>he?oiJere der Kampf. Diese ganze Entwicklung hat allein de: Liberalismus ermöglicht. Unter seinem Regime treten „die Juden in den Mittelpunkt unserer Entwicklung". Diese antikapitalistische Einstellung der Konservativen mußte sie veranlassen, die vom Kapitalismus bedrohten Volksschichten zu gewinnen. Der zuerst in den 70 er Jahren gemachte Versuch •20

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