Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 3 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem ersten Absehet! dieses Artikels geht hervor, daß diese Ausführungen nur die äußere form einer systematisch-positiven Darlegung haben, in Wirklichkeit aber eine sachlich-polemische Tendenz verfolgen. In bestimmten Kreisen des aktiven Kartells ist nämlich heute eine Haltui]<- zu bekämpfen (gerade auch bei solchen, die nicht erst seit gestern im Zionismus stehen — meine obige Bemerkung über den Zusammenbruch des Blau-Weiß als Ursache bestimmter Erscheinungen im Kartell ist in diesem Sinne zu verstehen), die ich als nichts anderes als eine zionistische Lähmung bezeichnen kann. Die Skepsis steht hier am Anfang uiul verhindert nicht nur jede befreiende Tat, sondern führt auch dazu, daß das bloße Bekenntnis zum Zionismus, das von der älteren zionistischen Generation als umwälzendes und andererseits sicherndes und richtungweisendes Erlebnis empfunden wurde, diese erlösende Wirkung für die heutige Generation, wenigstens zum Teil, verloren hat. Die Problematik der älteren Generation wirft hier gleichsam ihren Schatten voraus. Diese, an Jahren noch jungen Bundesbrüder, sehen vor sich den scheinbar freudlosen Weg des Galuthzionisten, dem die subjektive Erfüllung seines Zionismus in Palästina versagt ist, und der oft genug hier im Gallith objektiv nicht das Bewußtsein haben kann, ein wichtiger und wertvoller Diener seiner Sache zu sein. In diesem vermeintlichen Dilemma versuchen diese Bundesbrüder, den Weg des geringsten objektiven Widerstandes zu gehen. Da ihrer Meinung nach der Weg nach Palästina generell gesehen für sie nicht gangbar ist, so bliebe nur die andere Möglichkeit, die Position hier im Galuth zu verstärken; daher ihre Forderung stärkerer Betonung der Galuth- und Gemeinde arbeit. Mit einem Anschein von Recht weisen sie darauf hin, daß auch das jüngere Kartell sich dieser Auseinandersetzung nicht entziehen könne, da ein zionistischer Bund die vornehmste Erziehungsaufgabe habe, die jüdische Realität aufzuzeigen, und hierzu nicht zuletzt die Realität des eigenen Lebensweges des einzelnen Zionisten gehöre. .Man dürfe und man könne gar nicht unsere Bundesbrüder etwa drei Jahre lang in einer pädagogischen Provinz halten, um sie danach dem grauen und nüchternen zionistischen Alltag des Galuth schutzlos auszuliefern. An dieser Stelle will ich noch nicht untersuchen, ob dies Dilemma in dieser Form wirklich besteht, ob wir wirklich uns mit dem Verzicht auf Palästina für unsere eigene Person abzufinden haben. Unterstelle ich die Richtigkeit der Prämisse, so habe ich demgegenüber auf folgendes hinzuweisen : 1. Es gibt eine zionistische Aufgabe, die in jedem Falle, wie ich gezeigt zu haben hoffe, notwendig, schwer und lohnend zugleich ist: die Erziehung zionistischer Menschen. 2. Das Problem der persönlichen zionistischen Erfüllung und Bewährung ist erst lösbar und kann sinnvoll nur gestellt werden auf dem Boden der gelösten zionistischen Erziehungsaihgabe. 3. Die Erfüllung der zionistischen Erziehungsaufgabe aber trägt die Garantie für die Lösung des Problems der zionistischen Bewährung in sich! Die zionistische Persönlichkeit ist unabhängig von allen äußeren Bedingungen, Schwierigkeiten der Galuthsituation usw., weil 20