Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina beginnen sollten. Heute sind wir politisch viel weiter gekommen, der Weg ist offen, und ein Rückschlag in unseren politischen Erfolgen oder im Tempo der Einwanderung kann uns nicht beirren. Das Problem ist jetzt wie früher unverändert das gleiche: Wie können wir hier Zionisten sein, obwohl wir wissen, daß nur ein Teil der Juden, fund ganz bestimmt nur ein kleiner Teil von uns deutschen Juden nach Palästina gehen kann und gehen wird? Aber wir haben diese Probleme schon vor zwanzig Jahren gelöst und geben heute die gleiche Antwort: Das eben ist Zionismus, und das ist die Idee der zionistischen Bewegung, daß die gesamte Judenheit in der Diaspora sich zusammenschließt zu der einen großen gemeinsamen Tat mit dem Ziel des jüdischen Palästina im Auge. Nicht in der Beschäftigung mit Einzelfragen des jüdischen Lebens in der Diaspora, sondern nur in der ständigen Beschäftigung mit dem wirklichen großen jüdischen Palästina, das wir erstreben, liegt unsere zionistische Leistung. Die Bewegung hier muß so stark und tief sein, daß sie Kräfte zu produzieren vermag, die tatsächlich nach Palästina gehen und das Land bebauen. Die Zurückbleibenden aber müssen immer wieder für sich selbst oder ihre Kinder dieses Ziel des jüdischen Palästina behaupten, müssen sich immer wieder mit allen Fragen dieses jüdischen Palässtina befassen. Denn in dem jüdischen Gemeinwesen, das wir dort erstreben, verwirklicht sich uns die Idee der jüdischen Freiheit. Das ist der wahre Sinn des politischen Zionismus oder der Judenstaatsidee: daß wir uns aus den Bindungen des Ghetto und den Fesseln der Assimilation mit allen ihren Rücksichten nach rechts und links befreit und im Streben nach dem jüdischen Palästina die vollständige Autonomie der handelnder! jüdischen Persönlichkeit erreicht haben. Was trennt uns denn heute noch von den Assimilanten in der Palästinaflrage? Auch jene akzeptieren Palästina als eine Tatsache; aber sie wollen es nur gelten lassen als Wohltätigkeitsaktion für Ostjuden. Sie müßten damit ein nationales jüdisches Palästina bejahen, denn es ist ohne weiteres klar, daß die Palästinakolonisation doch zu einem jüdischen Gemeinwesen, also zu einer Art von mehr oder weniger selbstär digem Judenstaat führen muß. Ich erinnere an die Polemik, die ich hoch kürzlich mit Dr.Wiener, dem Syndikus des Zentralvereins, in dieser Frage geführt habe. Warum können und wollen die Assimilanten denn die einfache Tatsache nicht begreifen, daß die Ansiedlung großer Massen von Juden in Palästina notwendigerweise zum judischen Gemeinwesen, also zum nationalen Judentum führen muß. Warum wollen sie einen Wohltätigkeitszionismus dulden und gleichzeitig den sogenannten politischen Zionismus bekämpfen? Was sie uns vorwerfen, ist offenbarer Unsinn. Sie behaupten, wir wollten alle Juden zu hebräischen Bürgern Palästinas machen. Das ist leicht zu widerlegen, und man fragt sich immer 'wieder, woher diese tiefe Abneigung gegen unsere Zielsetzung stammt. In Wahrheit gilt diese Abneigung gar nicht dem Ziel, sondern sie haben erkannt, daß der Jude, der einen Judenstaat in Palästina erstrebt (und der tnacht unserer Auffassung sehr wohl ein guter Staatsbürger in seinem Wohnlande sein kann) als Jude sich von allen Bindungen befreit hat, daß (er die jüdische Sache als absoluten Wert betrachtet, den er keinen anderen 27