Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537794-3537796--6767-3544796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht imstande, mehr zu schaffen. Notwendig sei vor allem, zionistisch weiter zu kommen, zionistisch mehr zu leisten. Die Kritiker des vorigen Kartelltages hätten sicherlich organisatorisch Großartiges geleistet, aber weiter nichts. Die heutige Aktivitas scheine viel älter zu sein, als die ältesten Alten Herren, üeberall sehe er nur Verzicht. Ihre Forderungen richten sich auf Galutharbeit und ignorierten Palästina. Diese Resignation sei sachlich und richtungsmäßig falsch. Jede Galutharbeit habe Tendenz zur Assimilation. Wenn auch der Augenblick Uebersiedlung vielleicht nicht gestatte, so bestände doch in kurzem vielleicht schon wieder die Möglichkeit zur Alijah. Die korporativen Formen seien früher Ausdruck zionistischer Willensintensität gewesen. Die Bundesbrüder, die heute in Palästina lebten, seien durch das K.J.V. geformt worden, ohne es wären sie keine Zionisten geworden. Die Zukunft des K.J.V. seien Forderungen, die nicht nur gesinnungsgemäß zionistisch seien, sondern auch zionistische Tätigkeit verlangten. Kanowitz zeige uns den Weg. Es sei eine Selbstverständlichkeit, daß das K.J.V. sich der Zionistischen Organisation zur Verfügung stelle. Die andere Gruppe habe uns keine konkreten Aufgaben gezeigt. Das Kartell müsse sich ändern, sich erneuern durch Schaffung eines Kreises, der zionistische Forderungen durchsetzen* wolle. Eisenstädt erklärt, nicht das Präsidium, sondern das Kartell habe versagt, weil ihm die zionistische G-rundstimmung fehle. Die ganzen Diskussionsreden seien unzionistisch gewesen. Ein gutes Kartell aber werde nur durch seinen zionistischen Wert bestimmt. Man könne auch in Deutschland zionistisch viel leisten, aber nur, wenn wir unsere Impulse aus Palässtina und aus dem Ostjudentum bekämen. Unsere Grundstimmung sei azionistisch, ja manchmal antizionistisch. Wir müßten von den weiten Kreisen außerhalb des Kartells lernen, daß das deutsche Judentum sich in viel schwierigerer Lage befinde, als das Ostjudentum. Wir müßten uns von jeder Ueberheblichkeit freimachen. Es komme darauf an, Menschen ins Kartell aufzunehmen, die zu Palästina und zum Ostjudentum mehr Beziehungen hätten als wir. Der Weg von Kanowitz, Erweiterung unserer Basis und menschliche Verbundenheit mit Palästina, gebe Möglichkeiten, vielleicht keine erschöpfenden, jede andere Führung aber sei abzulehnen, weil sie keinen Kontakt mit dem Ostjudentum und dem Weltzionismus habe. — Wenn wir nichts als Betrieb machten, würden wir nie zum Inhalt kommen. Zuerst müßten wir Juden sein, dann werde der Betrieb von selbst kommen. Der Weg dazu sei gründliche Erlernung des Hebräischen und häufige längere Reisen der Bundesbrüder nach Palästina. Capell hält es für bedenklich, dem Kartell zu weite Ziele zu stecken. Bei der fehlenden Möglichkeit zur Verwirklichung werde der Erfolg lediglich aus schlechtem Gewissen und Minderwertigkeitskomplexen bestehen. Eine Erweiterung der Basis nach rechts und links brauche nicht programmatisch festgelegt zu werden. Man müsse die Frage beantworten, was das Spezificum unseres Bundes sei, und müsse daraus Konsequenzen ziehen. Als studentischer Bund müßten wir uns auf die Studentenschaft einstellen und die jüdische Akademikerschaft zionisieren. Dies sei die Aitf- 16