Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537794-3537795--6734-3544762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bereits heute dasselbe Gesicht, immer wieder: „Geschichtskursus, Hebräisch, Vortrag des A.H.". Das geht jetzt schon so viele Jahre. j'Warum kann trotzdem kaum jemand von unseren Leuten gut Geschichte? Warum muß schon das Burschenexamen ein Minimum an Wissen fordern? Warum geht es genau so mit allen anderen Fächern unseres Unterrichts? Weil wir keinen Zugang von unseren uns vorgezeichneten Stoffen zu unseren Menschen finden. Es ist etwa die Frage der Aelterenerziehung, die in der Jugendbewegung eine Rolle spielt. Es gibt eine einfache und gangbare Antwort auf diese Frage. „Judaisierung" (wenn schon dieses grausige und falsche Wort sein muß) über den Beruf. Es herrscht bei uns die merkwürdige Auffassung und das merkwürdige Ideal, der K.i.V.er müsse „allgemein" jüdisch gebildet sein. In Wirklichkeit kann nur verlangt werden, daß der K.i.V.er von irgend einer Seite Zugang zu jüdischen Werten erhält und daß seine tiefere Beziehung zu einem der großen Gebiete seine Verantwortlichkeit für die jüdische Wirklichkeit stärkt und dauernd aufs neue belebt. Deshalb scheint mir die Forderung von fachlichen Arbeitsgemeinschaften das Gegebene zu sein. Man kann von einem Juristen nicht verlangen, daß;er sich in die Methode der Bibelkritik hineinlebt. Das ist die Methode der Philologie. Aber man kann von ihm verlangen, daß er sich in das System des biblisch-talmudischen Rechtes hineinlebt, daß er (was rechtsvergleichend durchaus nützlich und für seine juristische Bildung durchaus nicht von Schaden ist) vielleicht sogar innerhalb des noch wenig beackerten jüdischen Rechtes das Thema für seine Dissertation wählt. Gewiß wird sich das wiederum auch nicht schematisieren lassen: mancher Jurist wird dennoch philologisch oder historisch interessiert sein und mancher Mediziner juristisch. Für uns gibt es nur zwei Gesamtforderungen, von jedem zu fordern und zu erfüllen: Kenntnis der großen Linien der jüdischen Geschichte und Kenntnis des Hebräischen. Alle Vertiefung aber sollte in Fachgruppen geleistet werden. Gerade von hier aus gewinnt die Gestaltung des J.St. als eines Fachblattes neuerliche Bedeutung. Joachim Prinz. Bericht des Alihcrrtin-Ressorls Nach dem letzten Kartelltag waren in Berlin drei arbeitende Altherrenverbände vorhanden, der Rosenkranzbund, der Altherrenbund der Hasmonaea und der Altherrenbund des Sport-V.J.St. Der Altherrenbund des Ruder-V.J.St. bestand zwar, doch kamen die Bundesbrüder nur selten und in geringer Zahl zusammen. Jn diesem Winter gelang es, ihn wieder neu zu beleben. Außerdem haben sich ca. 25 jüngere Alte Herren lauf Veranlassung des Altherrenressorts zusammengetan und haben in regelmäßigen Abständen Zusammenkünfte gehabt, auf denen über wichtige ideologische Fragen des Zionismus oder andere aktuelle Fragen referiert wurde. Diese Veranstaltungen werden weitergeführt werden. Insgesamt sind heute in den Berliner Altherrenverbänden etwa 150 Alte Herren organisiert, d. h. über die Hälfte der in Berlin lebenden Alten Herren. In allen Gruppen war ein erheblich stärkeres Jnteresse an der A.H.-Arbeit 44