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Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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sind nicht nur zufällige, von der Person des Verwalters, seiner Beschäftigung, seiner sonstigen Inanspruchnahme abhängige. Sondern es sind auch notwendige. Zu diesen notwendigen Gründen gehört die Atmosphäre des letzten Gesamtpräsidiums, das starke Resonanzen für eine gedeihliche Arbeit nicht bot, das sozusagen nur die Aufgabe spüren ließ, die vorgezeichnete ArheH mit einer gewissen büromäßigen Pünktlichkeit ein Jahr lang for+^'frihren. Innerhalb eines solchen, dem das neue Leben, das bekanntlich aus Ruinen vorschriftsmäßig zu blühen hat, eine ferne Vorstellung war. kam auch dem Erziehungsressort eine mehr verwaltende und zwar das Vorhandene verwaltende Aufgabe zu. Aber das ist nicht der einzige notwendige Grund. Er liegt nämlich auch noch in der Beantwortung -Nder Frage nach den Aufgaben des Erziehungsressorts überhaupt. Auf diese Frage ist oft und wie ich meine zumeist falsch geantwortet worden. Das Erziehungsressort ist nach der Anschauung der meisten von uns der Verwirklicher eines Erziehungsplanes. Nicht umsonst also ist bisher fast auf allen Kartelltagen ein solcher Erziehungsplan vorgetragen und (seine Durchführung beschlossen worden. Solche Erziehungspläne aufzustellen, ist keine sehr schwierige Sache und es gehört die nicht sehr konzentrierte Arbeit einer Stunde dazu, um aufzuschreiben, was ein „gebildeter" K.J.V.er wissen muß. Es gibt doch heute bereits eine durch alle Heiligen .unserer' zionistischen Bewegung geweihte Vorstellung von dem, was der gute Zionist wissen muß. Aber so leicht das alles ist und so sehr schnell schon\ ,die Sextaner unserer Bewegung wissen, daß Achad Haam und Fichtes Reden an die Nation, daß Neuhebräisch und die Kenntnis der Emanzipationsepoche zu den Grundbedingungen unserer Bildungsarbeit gehören — so ist doch bisher mit all diesen Dingen garnicht erreicht worden. Die Bildungsarbeit, die wir in den Jahren unseres Bestehens geleistet haben, ist doch geradezu lächerlich. Wieviel K.J.V.er können hebräisch? Wieviel verstehen die Grundlagen unserer Politik? Ach, wir haben doch sicherlich sehr gute Erziehungsleiter gehabt, aber ihre schönen Programme sind in den bereits zu Jahrgängen gebundenen „J.St." enthalten. Sie sind in die Geschichte des Kartells eingegangen, nicht aber in seine Köpfe. Warum das alles? Warum gibt es immer wieder Klagen über die beiden großen Worte für unsere stärksten Lücken; über die „Hebraisierung" und „Judaisierung"? Warum sind Kurse nur zwangsweise gut besucht? Weil alle Pläne einer Erziehungsarbeit, alle langen Listen, die wir aufstellen, auf einer Fiktion beruhen, auf der Fiktion nämlich: wir seien ein großer Lernverband mit allgemeiner und von oben herab dekretierbarer Lernpflicht und die Aufgabe des Ressortleiters für Erziehung und Unterricht sei nichts anderes als der Leiter des Prov.-Schulkolleg. zu sein, der den Lehrplan festzulegen, das „Bildungsziel" aufzustellen hat und nur zusehen braucht, ob auch seinen Anordnungen Folge geleistet wird. Daran aber ist alles falsch. Wir sind kein Lernverband, sondern eine Studentenverbindung, in der Geselligkeit und Sport die Menschen oft stärker bindet, als gemeinsames Lernen. Wir haben kein homogenes Schülermaterial. Wir haben keine oder nur wenig und schlechte Lehrer. Wir haben absolutkeinen Lernzwang und wir haben keine wirklichen Kontrollmöglichkeiten. Sonst stimmt alles. Weil wir das alles aber nicht haben, ist jeder Erzie- 42

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