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Der jüdische Student · 1927-12-01 · Heft 3 (Dezember 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 3 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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gesellschaftliche Gegebenheit ist, j ■sondern Ausdruck des Assimi- | lations w i 11 r n s. Wir verzichten | auf unser.*3 Werbeerfolge, wenn wir j einen anderen Weg als den der j Korporation gehen. Dann erst j werden wir wieder ein bestimmter! Faktor im jüdischen Hochschul- J leben, erbt dann werden wir uns i wieder die Stellung erobern, die j uns als Kämpfer für eine würdigere; und größere Zukunft des jüdischen j Volkes zukommt. In der Auseinandersetzung mit der Assimilation verwenden wir die positiven Elemente der gegnerischen Formen. Das Regulativ bildet die Stärke des in uns lebenden zionistischen Gedankens. Aus der Kraft unserer Idee und dem Reichtum der Gedanken und Formen der Welt, in die wir gestellt sind, gestalten wir das Leben unserer Korporationen. Dieses Leben wird Formen, symbolische Formen gebären oder es wird Chaos sein. Die Bedeutung der Form wird unter dem Einfluß liberaler Tendenzen verkannt. Man 'i hält sie für ein Hindernis auf dem Wege zur Erkenntnis des wahren Inhalts. Formen sind der Ausdruck lebendigsten Gemeinschaftslebens. Unsere Auseinandersetzung mit dem deutschen Studententum war nicht endgültig. Sie beginnt heute wieder, da eine neue Generation die Mischung zwischen verblaßter Jugendbewegung und Verbindung unerträglich findet. Wir sind erschreckt, wenn wir sehen, daß es unseren Menschen schwer « fällt, kollektiver Lebensfreude Ausdruck zu geben. Lebendigkeit der Menschen, Farbigkeit ihres Lebens und gemeinschaitsbildende und stärkere Formen vermögen mehr als in die , Massen geworfene Losungen. Aber wir müssen den Mut aufbringen, es sogar mit dem Zionismus zu vereinbaren, eine Kneipe zu veranstalten, wir müssen unser Abseitsstehen aufgeben. Es darf nicht mehr vorkommen, daß ein Kartelltag vorbeigeht, ohne daß die Bundesbrüder in geselliger Form zusammenkommen. Darin zeigt sich ein bedenklicher Mangel an psychologischem Verständnis. Die den letzten Kartelltag vorbereiteten, gehörten einer Generation an, die das geistige Format überschätzte. Wir Jungen wollen, daß das Leben in seiner Totalität während unserer aktiven Zeit in die Verbindung hineinverlegt wird. Das Kartell lebt. Die Gründung einer vierten Berliner Verbindung ist ein Zeichen dafür. Es geht aufwärts. Mit dem Optimismus unserer Jugend gehen wir an die Arbeit. Vieles ist in diesem Aufsatz unausgesprochen geblieben. Er sollte lediglich informierend sein in dem Sinne, daß er ein Bild von der Stimmung im jungen Kartell gibt. Menschen sind bereit und vorhanden, die das Kartell weitertragen wollen. Aber tiefste Sorge um sein Weiterbestehen «veranlaßt, den Fragen, die uns bewegen, unbeschwert durch die Vorurteile der Nachkriegsgeneration ins Auge zu schauen. Wenn die Zeilen dazu beitragen, daß einmal über diese Dinge nachgedacht wird; dann haben sie ihren Zweck erfüllt.

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