Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeiissioff. Geschichte der Mossulfrage. Vorkriegsgeschichte der Mossulfrage: Die Geschichte des Streites um die vorderasiatischen Petroleumfelder, die einerseits zwischen den amerikanischen und englischen Petroleumgesellschaften, zum anderen den Interessen der Deutschen (Bagdadbahn), der Russen (Nordpersien) und denen der Engländer (Golf und Südpersien) spielte, führte zu keinerlei Streitigkeiten um die Gebiete selbst. Es handelte sich vielmehr um die Konzessionen zur Ausbeutung längs der Gebiete der Bagdartbahn, resp. um die Abgrenzung der Interessensphären außerhalb des heute strittigen Gebietes (die Einteilung Persiens in Interessensphären). Diese Ereignisse der Weltpolitik stehen also nur insofern im Zusammenhang mit der Mossulfrage, als sie die Ausgangspunkte wurden, von denen aus sich diese Streitfrage entwickelte. Ohne Bedeutung sind daher für diese Frage die deutsch-englischen Reibereien, die sich um Koweit und um den Bau des südlichen Teiles der Bagdadbahn entwickelten. Dagegen hatten zwei andere Reihenfolgen von Ereignissen, die allein von England aus betrieben wurden, wichtige Folgen: Die arabische Politik der Engländer und die erfolgreiche Erbohrung* der Oelquellen von Maidan-i-Naftun am persischen Golf. Vor dem Kriege bestand die Araberpolitik ' der Engländer in dem Versuch, durch Subsidien und Schutzverträge die arabischen Stämme für eine Politik im englischen Sinne zu gewinnen. Da ein Teil dieser Stämme nominell unter türkischer Souveränität stand, bedeutete dies nichts weniger als die Unterstützung der Loslösungsbestrebungen der Araber von der zerfallenden Türkei. Allerdings blieben bis zum Kriegsausbruch die Erfolge der Engländer auf die Außenposten beschränkt. In den Gebieten der Türkei selbst blieben die Verträge zum Teil geheim und hatten nur die Folge,, daß die türkische Verwaltung mit wachsenden Schwierigkeiten in ihren Gebieten, insbesondere im Hedjas, Nedjd, Yemen, Irak und Syrien zu rechnen hatte. Wie weit die Engländer vorgearbeitet hatten, zeigte sich erst im Kriege. Die Quellen von Maidan-i-Naftun wurden insofern wichtig, als ihre Bedrohung durch Araberhaufen und eine unangebrachte Drohung Enver Paschas unmittelbar den Vorwand zur Landung der ersten Truppen nach der Kriegserklärung durch die Türkei an die Engländer ergab. Die Geheimverträge: Für das Schicksal des so besetzten Gebietes wurden vor allen Dingen zunächst die sogenannten Geheimverträge, insbesondere das Sykes-Picot-Abkommen maßgebend. Sie waren ein wesentliches Mittel, die Enigkeit der Alliierten während des Krieges aufrechtzuerhalten, da nirgends ihre Interessen sich gegenseitig so widersprachen wie im Orient. So tragen diese Geheimabkommen auch nicht den Charakter großzügiger Abmachungen, die das ganze Orientproblem völlig geregelt hätten, sondern nur den der vorläufigen Fixierung von Mindestansprüchen. Bezeichnenderweise nahmen diese Abkommen ihren Anlaß aus einem Versuch, zwischen Rußland und England einen Ausgleich in der Türkei.