Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Bericht über den VII. Kartelltag des K. J. V. Renaissance sprechen, so müssen wir uns bewußt bleiben, daß auch diese in einer .politischen Bewegung ihren Ursprung hatte. Ohne das Vorwiegen des politischen Charakters unserer Bewegung zu verkennen, ist es darüber hinaus selbstverständlich notwendig, daß wir versuchen, die geistigen und seelischen Werte des alten Judentums für uns wieder fruchtbar und lebendig zu machen. Wenn Holdheim auf der einen Seite mit Bedauern die Verschüttung unserer jüdischen Instinkte feststellt, auf der anderen Seite den Werken der jüdischen Vergangenheit jeden Erlebniswert für die Gegenwart abspricht, so ist das ein Widerspruch, Denn in diesen Werken offenbaren sich ja die Kräfte, die das Judentum geformt und gestaltet haben. Aus ihnen können wir ersehen, wie jüdische Menschen früher gelebt, wie sie gefühlt und was sie gedacht haben. Gewiß hat der Talmud viele Stellen, die der modernen Art unseres 'Denkens wrenig zusagen; ihn aber nur als staubigen, für uns wertlosen Folianten zu bezeichnen, ist eine bedauerliche Entgleisung, die nur entschuldbar wäre bei jemand, der sich selbst sehr viel damit beschäftigt hat. Ich bin im Gegensatz zu Holdheim der Ansicht, daß sowohl der Talmud wie auch viele andere Werke der Vergangenheit stärksten Erlebniswert für uns haben können. Die intensive Beschäftigung mit der jüdischen Vergangenheit schon in frühen Jahren scheint mir eine bessere Gewähr zu bieten, junge Menschen ans Judentum zu binden — soweit so etwas überhaupt möglich ist —, als die von Holdheim vorgeschlagene Schaffung der künstlichen Formen. Leider fehlt bei uns vielfach der ernsthafte Wille zu einem intensiven Studium der Werke der Vergangenheit. Am Schluß der Debatte hält Felis Rosenblüth ein eingehendes Referat, das aus den in der Einleitung angegebenen Gründen nicht wiedergegeben wird. Eine Diskussion zu dem Referat Rosenblüths fand nicht statt. Die Sitzung wurde für eine Stunde unterbrochen, um dem Permanenzausschuß Gelegenheit zu seiner abschließenden Sitzung zu geben. Nach Wiedereröffnung der Plenarsitzung ergreift der Präsident der Permanenz-Kommission, David Schloß berg, das Wort zur Vorlage der Anträge der Permanenz-Kommission und der neuen Präsidiumsliste. Die Anträge werden gesondert im J. St. abgedruckt, so daß wir sie hier nicht anführen. Die Präsidiumsliste war entstanden aus einer Abwägung aller Richtungen im Kartell. Man hat eine Kombination versucht, die einerseits die Kontinuität unserer Arbeit beibehalten soll, andererseits auch die Kräfte der Aktivitas mit aufnimmt, um den Kontakt mit dieser zu erhalten. Die Liste lautet: Erich Hurwitz (Präside) — Benno Cohn —Czapski — Irvin Fisher — Foerder — Holzer — Kanowitz — Locb — Mandelbaum — Michels — Prinz — Silbert — Kurt Stein.