Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Karlellarbeit 7 Soll es also ein geistiges Leben im Kartell geben,, das Werte schafft und Menschen formt, soll es leidenschaftliche Bewegtheit geben, die Menschen zu einem Bunde zusammenführt, üie dem einzelnen seine Leistung ermöglicht, und damit seinem Leten Sinn und Inhalt verleiht, erwarten wir das alles immer noch vom K. J. V. und seinen Trägern, dann müssen wir uns die Lebensfülle erichließen, die der zionistische Gedanke in dem Augenblick, in dem wir zu arbeiten haben, erzeugt. Es mag eine Gefahr für unsere Sache sein, viele empfinden es so, daß heute die Politik das zionistische Leben beherrscht, daß im politischen Kräftespiel die menschlichen und geistigen Energien der Bewegung sich erschöpfen; es mag vielleicht noch eikmal unsere Aufgabe sein: bei dem Kampf um den Ausgleich zwischen Idee und Wirklichkeit den Erfordernissen der Idee den Primat zm sichern, im gegenwärtigen Moment würde unsere Arbeit leer laufen,, würde sich das Kartell absperren von den Kräften, die allein es vorwärts treiben können, wenn nicht der ganze Bereich zionistischer Politik zum dominierenden Faktor des Kulturlebens würde. Wir werden also die aktuellen Fragen, die heute Gegenstand der politischen Auseinandersetzung sind, in das Kartell hineinzutragen haben, wir werden unsere Bundesbrüder schulen BÄsen in d~r Kenntnis der objektiven Voraussetzungen politischer Entscheidung und in ihnen das Gefühl der Verantwortung erzeugen müssen, das unsere politische Arbeit braucht, das sich äußert in der Richtung der Stellungnahme, in dem Zwange, sich zu entscheiden, vmd in der Bereitschaft, in das politische Geschehen aktiv einzugreifen. Kann nun das Politische allein, selbst in seiner umfassendsten Bedeutung und Auswirkung, der primäre Faktor sein, der dem Kartell die Richtung weist und unserm Leben seinen Inhalt gM? Liegen in der Politik allein die attraktiven Kräfte, die neue Menschen dem Zionismus und unserem Bunde zuführen? Genügen die Zielsetzungen, die der politischen Sphäre zugehören, um in unseren Bimdesbrüdern jene Steigerungen ihres Lebensgefühls, ihres Gemeinsdkaftsbewußtseins, ihrer Verantwortung der Idee und der Nation gegenüber zu erzeugen, die allein bewirken können, daß unsere Arbeit sich lohnt, indem wir dem Zionismus die Menschen stellen, die — geschult, der Sache ergeben, leistungsbereit und wirkungsfähig — das große Werk des Aufbaues und der Organisierung des jüdischen Volkes weiterführen können? Hier gilt es anzusetzen. Es kann sich nicht darusn handeln, in ungerechtfertigter Anmaßung sich im Besitz völlig neuer Erkenntnisse, zu fühlen, sondern wir werden uns auf die Ergebnisse der Arbeit früherer Jahre zu stützen haben und uns stützen können, die wir in einer organischen Entwicklung weiterbilden wollen,. 4. Es. wird immer unsere oberste Aufgabe sein, dem Aufbau selbst ständig neue Kräfte zur Verfügung zu stellen. Die Schwierigkeiten